In den letzten drei Monaten hat es auf der Alpennordseite laut Bundesamt für Umwelt (Bafu) nur 35 bis 50 Prozent der üblichen Niederschlagsmenge gegeben. In gewissen Regionen der Nordwestschweiz waren es sogar weniger – gerade einmal 15 bis 35 Prozent. Wie 20 Minuten berichtet, ist die Lage damit noch angespannter als in anderen Jahren.
Wie heftig die Folgen sind, hat Steffi (35) auf ihrer Fahrradtour festgestellt. Am Sonntag spazierte sie bei Altenrhein SG wegen des ausgetrockneten Seebeckens rund 100 Meter weit in den See hinein. "Es fühlte sich an wie bei Ebbe an der Küste irgendwo in Schottland", erzählt sie "20 Minuten" über die ungewöhnliche Szenerie.
Am Montag lag der Pegelstand bei Berlingen bei 394,23 Metern über dem Meeresspiegel. So tief war der See seit Beginn der Messungen noch nie. Der bisherige Negativrekord von 394,25 Metern stammt aus dem Jahr 1889 – also vor 135 Jahren. Besonders auffällig: Normalerweise werden solche Tiefststände im Winter erreicht, nicht Ende September.
An heißen Tagen verdunsteten am Untersee rund 0,5 Zentimeter Wasser. Ohne Regen sank der Pegel zuletzt um zwei bis drei Zentimeter pro Tag, erklärt Hydrologe Lawrence Och gegenüber "Vaterland". BAFU-Experte Ulrich Schneider sieht aber nicht nur die Hitze und Trockenheit dieses Sommers als Ursache für das Rekordtief.
Heuer gab es in den Alpen wenig Schnee. Deshalb fehlte dem Bodensee im Frühling eine wichtige Wasserquelle. Das Gletscherschmelzwasser kann diesen Ausfall kaum ausgleichen, denn im Einzugsgebiet des Bodensees gibt es nur wenige Gletscher.
Einen generellen Trend zu immer tieferen Pegelständen erkennt Schneider trotzdem nicht: Das zeigt laut ihm der Blick auf das Jahr 2024. Damals führten beide Teile des Bodensees in den Monaten Jänner und Juli außergewöhnlich viel Wasser.
Sowohl am Rhein als auch am Bodensee können derzeit mehrere kleinere Anlegestellen von Kursschiffen nicht mehr angefahren werden. Am Rhein fahren stattdessen Ersatzbusse. Auch am Zürichsee fallen wegen des Niedrigwassers bis Mitte Oktober mehrere Rundfahrten aus – darunter die Limmatboot-Tour und der Ufenau-Shuttle. Die Stationen Küsnacht und Erlenbach bleiben vorerst geschlossen.
Ohne weiteren Regen bleibt der Pegel niedrig oder sinkt sogar noch weiter, warnt Schneider. Damit sich der Bodensee erholen kann, braucht es über längere Zeit ergiebigen Regen. Einzelne Gewitter helfen kaum: Das Wasser läuft rasch wieder ab.
Die Klimaerwärmung verschärft die Extreme, erklärt Och weiter. Im Winter dürften die Pegel künftig häufiger höher sein, weil mehr Niederschlag als Regen und weniger als Schnee fällt. Im Sommer drohen dagegen immer tiefere Wasserstände.