Müllsündern in Wien geht es künftig noch stärker an den Kragen. Die rot-pinke Stadtregierung plant eine Verschärfung des Wiener Reinhaltegesetzes. Wie der ORF berichtet, sollen nicht nur die Geldstrafen erhöht werden. Wer öffentlichen Raum verschmutzt, soll künftig auch für die Beseitigung des Drecks bezahlen müssen.
Besonders teuer könnte das etwa für illegale Graffiti-Sprayer werden. Wird jemand auf frischer Tat ertappt, während er einen Brückenpfeiler besprüht, droht nicht nur eine Geldstrafe von derzeit 70 Euro. Zusätzlich könnte die Stadt dem Verursacher die Kosten für die Entfernung des Graffitis in Rechnung stellen.
Wie hoch diese ausfallen, hängt vom jeweiligen Aufwand ab. Die Reinigungskosten könnten damit die eigentliche Strafe deutlich übersteigen. Die geplante Verschärfung betrifft aber nicht nur achtlos weggeworfenen Müll oder Graffiti. Auch herrenlos abgestellte Einkaufswägen sind der Stadt ein Dorn im Auge.
Wer einen Einkaufswagen aus dem Supermarkt mitnimmt und irgendwo im öffentlichen Raum stehen lässt, soll künftig für dessen Rücktransport bezahlen müssen. Besonders brisant: Kann der Verursacher nicht ausgeforscht werden, könnte stattdessen der Eigentümer des Einkaufswagens zur Kasse gebeten werden – also die jeweilige Supermarktkette.
Genau diese Regelung sorgt allerdings noch für Diskussionsbedarf. Auch Eigentümer sollen stärker in die Pflicht genommen werden, ihre Gegenstände ausreichend zu sichern. Das könnte beispielsweise Supermärkte betreffen, deren Einkaufswägen regelmäßig außerhalb der Geschäfte landen.
MA-48-Chef Josef Thon betont laut ORF, dass die Stadt bereits umfassend informiert und Unterstützung angeboten habe. Nun sollen jene stärker zur Verantwortung gezogen werden, die sich nicht an die Sauberkeitsregeln halten.
Bereits seit 2008 sind in Wien die sogenannten WasteWatcher unterwegs. Sie kontrollieren, ob Zigarettenstummel, Hundekot, Verpackungen oder Sperrmüll illegal im öffentlichen Raum zurückgelassen werden.
Derzeit kostet ein Organmandat 70 Euro. Bei einer Anzeige können sogar Strafen von bis zu 2.000 Euro fällig werden. Neben den WasteWatchern sind zusätzlich auch ausgebildete Mitarbeiter der MA 48 und der Wiener Stadtgärten im Einsatz. Kontrolliert wird auch nachts sowie an Sonn- und Feiertagen.
Wie groß das Problem ist, zeigt auch eine aktuelle Bilanz von Wiener Wohnen. Allein im ersten Halbjahr 2026 verhängten die Ordnungsberater in den rund 1.800 Wiener Gemeindebauten insgesamt 1.552 Strafen wegen Verstößen gegen das Reinhaltegesetz. In weiteren 401 Fällen wurde Anzeige erstattet.
Bei knapp 20.000 Kontrollgängen wurden unter anderem illegal abgestellter Sperrmüll, Zigarettenstummel, Hundekot und herrenlose Einkaufswägen beanstandet. Insgesamt mussten 21.293 Entrümpelungen durchgeführt werden.
Bis die neuen Regeln gelten, wird es allerdings noch dauern. Der Entwurf für die Novelle befindet sich derzeit in Begutachtung. Beschlossen werden soll die Verschärfung nach aktuellem Zeitplan zwischen Jänner und April 2027. Wann das neue Reinhaltegesetz tatsächlich in Kraft tritt und wie stark die Geldstrafen steigen werden, steht noch nicht fest.