Im Frühling geht es rund in der Natur: Sobald es wärmer wird, starten Pflanzen ihr Liebesleben. Was für uns nach Blütenpracht und Duft riecht, ist in Wahrheit ein ausgeklügeltes System zur Fortpflanzung. Genau das zeigt jetzt die Ausstellung "Blümchensex" im Naturkundemuseum des Joanneums in Graz.
Blüten sind weit mehr als hübsch anzusehen. "Sie haben eine wichtige Funktion - die der Fortpflanzung", erklärt Kurator Kurt Zernig dem ORF. Und dabei wird nichts dem Zufall überlassen: Pflanzen setzen auf raffinierte Strategien, um Bestäuber anzulocken. Mit Farben, Formen und Düften verführen sie Bienen, Schmetterlinge oder sogar Vögel und Mäuse.
Manche Liebesspiele im Reich der Pflanzen bleiben dem Menschen verborgen. Einige Blüten öffnen sich nur nachts, andere senden Duftstoffe aus, die wir gar nicht wahrnehmen können. Auch Muster, die für Insekten sichtbar sind, bleiben für unser Auge unsichtbar.
Besonders spannend: Nicht nur Bienen leisten ganze Arbeit. Auch Fliegen, Mücken oder Käfer spielen eine wichtige Rolle. Über Millionen Jahre haben sich Pflanzen und ihre Bestäuber perfekt aufeinander abgestimmt, wie die neue Schau (24. April bis 12. September) eindrucksvoll zeigt.
Doch dieses sensible Zusammenspiel gerät zunehmend aus dem Gleichgewicht. Laut Zernig ist die Biomasse an Fluginsekten in den vergangenen 30 Jahren massiv zurückgegangen. Die Folgen könnten dramatisch sein - von weniger Pflanzenvielfalt bis zu Problemen in der Landwirtschaft.
Parallel zur Ausstellung zeigt die Neue Galerie unter dem Titel "Analytische Schönheit" Blumenbilder aus 200 Jahren. Zusätzlich gibt es Führungen, Spaziergänge und Exkursionen rund um das Thema.
Fakt ist: Was für uns romantisch klingt, ist für die Natur überlebenswichtig - und derzeit stärker bedroht, als vielen bewusst ist.