Wenn zwei Generationen aufeinanderprallen, kann das für so einige Konflikte sorgen. Nicht wenig Schuld daran haben Vorurteile: Während die Gen Z angeblich nur am Handy hängt, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne hat und mit wenig Arbeitsmoral in den Tag startet, gelten Babyboomer als konservativ und herrisch – und als überzeugt davon, dass ihre Art zu leben die einzig richtige sei.
Ein neues Buch von Regisseurin Olga Kosanović (31) und Diplomat Emil Brix (69) soll nun Abhilfe schaffen. Während Kosanović den Millennials zugerechnet werden kann, gehört Brix zu den jüngeren Babyboomern.
Für "Warum wir uns nicht hassen – Ende des Generationenkonflikts" haben sie über Politik, Lebensführung und gesellschaftliches Zusammenleben gesprochen. Und siehe da: So manches Vorurteil ließ sich tatsächlich aus dem Weg räumen. Beim Reden kommen eben die Leut’ zusammen.
Allzu viele Vorurteile habe sie gegenüber Brix zunächst gar nicht gehabt, erzählt Kosanović. So ganz ohne Schubladendenken ging es dann aber doch nicht: "Beim Emil dachte ich auch, dass er der typische ÖVPler ist – eher konservativ. Dabei ist er eigentlich voll der coole Anarchist."
Eine Einschätzung, die Brix gar nicht so weit von sich weist. Er selbst bezeichnet sich als sehr liberal. Kosanović wiederum zeigt sich nach den gemeinsamen Gesprächen einmal mehr skeptisch gegenüber starren Generationenschubladen: "Ich glaube, dass wir Menschen sehr widersprüchlich sind und gar nicht so in ein bestimmtes Korsett passen."
Dass sich manche Klischees trotzdem hartnäckig halten, zeigt sich spätestens, als die beiden die jeweils andere Generation beschreiben sollen.
Brix bezeichnet die Jüngeren als "engagiert, ein bisschen ängstlich und realistisch". Was ihm allerdings fehlt, ist mehr Widerstand: "Ich glaube, dass die jüngere Generation auch zu angepasst ist. Es ist zu wenig Rebellentum da."
Kosanović blickt ähnlich kritisch auf die Älteren: "Es ist schon so, dass die ältere Generation stur und etwas herrisch ist. Sie glauben immer, ihr Weg ist der Richtige." Ganz so einfach will sie es dann aber doch nicht stehen lassen: "Vielleicht ist das auch keine Frage der Generation, sondern des Menschseins."
Und genau das zieht sich durch die Gespräche der beiden: Die Unterschiede sind da, verlaufen aber längst nicht immer so eindeutig entlang der Altersgrenze, wie man zunächst vermuten könnte. Bei manchen Themen prallen die Meinungen dennoch ziemlich direkt aufeinander.
Bestes Beispiel: das Gendern. "Ich finde es lächerlich, zu glauben, dass man durch Gendern die Gesellschaft verändern kann", sagt Brix. Genau darüber hätten die beiden schließlich auch zu streiten begonnen.
Kosanović sieht die Sache anders – und gleichzeitig ziemlich pragmatisch: "Ich verstehe nicht, dass man so viel Kraft für Gegenenergie aufwendet. Man kann es auch einfach machen."
Vom Gendern ist der Weg zu den großen gesellschaftspolitischen Fragen nicht weit. Auch beim Sozialstaat sieht Brix nämlich Konfliktpotenzial zwischen Jung und Alt: "Die Jungen sagen, dass die Pensionen zu teuer sind und die Alten sagen, dass die Jungen erstmal etwas leisten sollen."
Dass sich Generationen gegenseitig kritisch beäugen, ist für Kosanović allerdings alles andere als neu. Verändert habe sich vielmehr die Art, wie diese Konflikte heute ausgetragen werden. "Ich glaube, dass dieser Generationenkonflikt nicht neu ist, sondern gerade einfach wegen der sozialen Medien mehr polarisiert", sagt sie. Durch den Druck, sich ständig zu positionieren, würden Gegensätze stärker nach außen getragen.
Umso überraschender sind jene Momente, in denen die vermeintlichen Generationengrenzen plötzlich ganz verschwimmen. Ausgerechnet die 31-jährige Kosanović wünscht sich etwa wieder mehr Hochzeiten: "Einfach nur wegen der Feste auch und um Menschen zusammenzubringen."
Vielleicht ist das am Ende auch die Erkenntnis dieser ungewöhnlichen Paarung: Zwischen Boomer und Millennial gibt es genügend Stoff zum Streiten – aber offenbar mindestens genauso viele Gemeinsamkeiten, um sich an einen Tisch zu setzen, angeregt zu diskutieren und am Ende des Tages auch einfach voneinander zu lernen.
"Warum wir uns nicht hassen" von Emil Brix und Olga Kosanović ist am 8. September im Amalthea Verlag erschienen. In zehn Gesprächen widmen sich die beiden Generationen, Politik, Identität und gesellschaftlichem Zusammenleben. Am Montag, den 28. September lesen die beiden im Café Museum in der Operngasse 7, 1010 Wien um 18:30.