Ein russisches Militärflugzeug ist im Nordatlantik vor Island von britischen Kampfjets abgefangen worden. Zuvor hatte die Tupolew Tu-142 in der Nähe des britischen Flugzeugträgers "Prince of Wales" zehn Horchbojen abgeworfen.
Es ist das erste Mal, dass die NATO Luftraumüberwachungsoperationen von einem europäischen Flugzeugträger aus durchgeführt hat. Das britische Verteidigungsministerium sprach am Montag von einem "gefährlichen und unprofessionellen" Verhalten der russischen Besatzung.
Nach britischen Angaben flog die Tu-142 am vergangenen Donnerstag in niedriger Höhe und unnötig nahe über den Flugzeugträger. Danach warf die Maschine zehn Horchbojen in unmittelbarer Nähe des Schiffs ab.
Britische Streitkräfte versuchten, über internationale Frequenzen Kontakt mit dem russischen Flugzeug aufzunehmen, aber es erfolgte keine Antwort. Zwei britische F-35-Kampfjets stiegen daraufhin auf, fingen das Flugzeug ab und begleiteten es, bis es das Gebiet verlassen hatte.
Die Tupolew Tu-142 ist ein Aufklärungsflugzeug zur U-Boot-Bekämpfung. Sie basiert auf dem in der Sowjetunion entwickelten Langstreckenbomber Tupolew Tu-95 (russisch Туполев Ту-95, NATO-Codename: Bear), der 1952 erstmals flog und bis heute im Einsatz ist.
Horchbojen sind mit Unterwassermikrofonen ausgestattet und dienen dazu, U-Boote aufzuspüren. Die britische Flugzeugträgergruppe befand sich im Rahmen der Arktismission "Firecrest" in der Region. Diese ist Teil der seit Februar laufenden NATO-Mission "Arctic Sentry", mit der die Präsenz des Bündnisses im hohen Norden verstärkt werden soll.
An der Mission beteiligt sich auch Deutschland mit mehreren Eurofightern. Hintergrund sind die zunehmenden Spannungen in der Arktis und die Forderungen von US-Präsident Donald Trump, die Region stärker gegen russischen und chinesischen Einfluss abzusichern.
Das geostrategische Interesse an der Arktis ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Durch den Klimawandel öffnen sich neue Seewege, gleichzeitig werden dort große Rohstoffvorkommen vermutet. Dadurch rückt die Region zunehmend in den Fokus der Großmächte.