Russland hat den Zerstörer "Severomorsk" vor die deutsche Ostsee-Insel Fehmarn verlegt. Das Kriegsschiff soll offiziell russische Handelsschiffe und die sogenannte Schattenflotte absichern – also Tanker, mit denen Moskau trotz Sanktionen weiter Öl exportiert.
Der 163 Meter lange Zerstörer ist eines der größten Schiffe, das derzeit in der Ostsee operiert. Er ist Teil der russischen Nordflotte, auf U-Boot-Jagd spezialisiert und mit Raketen- und Torpedosystemen ausgerüstet.
Jetzt reagiert die NATO. Mit sofortiger Wirkung wurde der ständige NATO-Einsatzverband 1 (SNMG1) in die Ostsee verlegt. Das ist einer von vier ständigen Marineverbänden der NATO. Er besteht je nach Einsatz aus vier bis acht größeren Kriegsschiffen und mehreren Begleitschiffen.
Unter Führung der deutschen Fregatte "Sachsen" rückten die NATO-Schiffe in den vergangenen Tagen in die westliche Ostsee vor. Auch die französische Lenkwaffenfregatte "Auvergne" sowie weitere Patrouillen- und Aufklärungseinheiten wurden in das Gebiet zwischen Kieler Bucht, Fehmarn und Lübecker Bucht entsandt.
Die Verlegung des NATO-Verbandes gilt inzwischen weitgehend als abgeschlossen. Mit dem Einsatz will die NATO verhindern, dass Russland bewaffnete Eskorteinsätze für seine Schattenflotte dauerhaft in der Ostsee etabliert.
Ein zentraler Auslöser für die aktuelle Eskalation ist der Fall des Tankers "Eagle S". Das Schiff, das laut EU zur russischen Schattenflotte zählt, geriet Ende 2024 nach beschädigten Unterseekabeln zwischen Finnland und Estland ins Visier der Behörden. Finnische Einsatzkräfte stoppten und enterten den Tanker schließlich in der Ostsee.
Außerdem verschärfte die EU seit 2024 ihre Maßnahmen gegen die Schattenflotte. Moskau sieht solche Maßnahmen seitdem als zunehmenden Druck auf seine Öltransporte. Seit Jahresbeginn überwachen Ostsee-Anrainer Schiffe der russischen Schattenflotte deutlich intensiver.
Ende April reagierte Russland erstmals sichtbar: Die Raketenkorvette "Stavropol" wurde nahe der deutschen Ostsee-Insel Fehmarn stationiert. Anfang Mai kündigte das russische Außenministerium dann offen militärischen Schutz für Handelsschiffe unter russischer Flagge an.
Am vergangenen Wochenende folgte schließlich die nächste Eskalationsstufe: Die deutlich größere "Severomorsk" übernahm die Position der "Stavropol" vor der deutschen Ostsee-Küste.
Die Region rund um Fehmarn gilt als strategisch besonders sensibel. Durch die westliche Ostsee verlaufen wichtige Handelsrouten Richtung Nordsee und Baltikum, außerdem liegen dort Unterseekabel und kritische Infrastruktur. Gleichzeitig passieren NATO-Schiffe die Meerenge auf dem Weg in die zentrale Ostsee.
Die Ostsee entwickelt sich somit immer stärker zu einer neuen geopolitischen Frontlinie zwischen Russland und der NATO.