Terror in Wien

Bürgermeister wollte Terror-Held Wohnverbot erteilen

In der ZIB Nacht war am Dienstag ein Lebensretter der Wiener Terrornacht zu Gast. Seine Familie hatte es in Österreich nicht immer einfach. 
Michael Rauhofer-Redl
04.11.2020, 21:37

Osama Abu El Hosna war am Dienstag zu Gast in der ZIB Nacht. Dabei sprach der aus einer palästinensisch-stämmigen Familie kommende Mann über die Ereignisse der Terror-Nacht von Wien. Hosna arbeitet in einem Fast-Food-Restaurant am Schwedenplatz und wurde durch sein mutiges Einschreiten zum Ersthelfer und Lebensretter. Im Interview mit ORF-Journalist Jürgen Pettinger erzählt er, wie er die bangen Momente des Terroranschlags wahrgenommen hat. 

Er und ein Kollege seien zum Ziel des Terroristen geworden. Er habe sich hinter einem Baum versteckt, doch der Täter ließ nicht locker. "Er hat uns gesucht und weiter geschossen", schildert Hosna die dramatische Situation. Er geht von ungefähr 20 Schüssen aus, die der Täter abgefeuert hat. Zum Glück, sagt er, seien augenblicklich zwei Polizeibeamte zur Stelle gewesen, ein Polizist habe sich schützend vor ihn gestellt. 

Blutung mit T-Shirt gestoppt

Kurz darauf wurde ein Beamter vom Attentäter angeschossen und schwer verletzt. In diesem Moment habe Hosna zwei Sorgen gehabt, seinen Kollegen und den verwundeten Polizisten. Zwar sei er "schockiert" gewesen, dennoch sei für ihn klar gewesen, nicht davonzulaufen, bis nicht alle in Sicherheit sind. Die Polizisten seien gekommen, um ihn zu schützen, jetzt bleibe er da, um zu helfen.

Hosna reagierte geistesgegenwärtig, beobachtete den Schützen und gab diese Information an den zweiten Beamten weiter. Gleichzeitig versuchte er, dem angeschossenen Beamten Erste Hilfe zu leisten. Er habe sein T-Shirt ausgezogen und versucht, die Blutung zu stillen. Es sei ihm nicht gelungen, er habe stark geblutet. Nach ungefähr zehn Minuten sei die Rettung vor Ort gewesen. Die Sanitäter seien allerdings unter Schock gestanden und bewegten sich nicht vom Rettungsauto weg, laut Vorschriften genießt der Selbstschutz in einer solchen Situation Priorität gegenüber dem Fremdschutz, so dass der Beamte zum Ambulanzwagen getragen werden musste. Dabei kamen Hosna zwei weitere Männer zu Hilfe. Der Beamte überlebte schwer verletzt. 

Bekannte Vorgeschichte

Bemerkenswert ist die Geschichte der Familie des Lebensretters. Diese ging durch die Medien, als der Bürgermeister von Weikendorf den Erwerb eines Grundstücks in seiner Gemeinde verhindern wollte. Begründet hat er dies mit "unterschiedlichen Kulturkreisen, Sitten und Gebräuchen". Mittlerweile hat ein Gericht entschieden, dass die Familie einziehen darf. Dazu gekommen ist es bislang allerdings nicht. Denn wie "Heute" erfuhr, habe man das Haus zwar gekauft, sei aber nicht eingezogen, weil vor allem die Mutter der Familie Angst vor rassistischen Übergriffen hat.  

Mehr zum Thema
Jetzt E-Paper lesen