Vor gut einem Jahr hat Guido Burgstaller die Fußballschuhe an den Nagel gehängt. Er beendete seine lange und durchaus erfolgreiche Karriere, die ihn zu Kult-Klubs wie Rapid Wien, Schalke 04, Nürnberg oder St. Pauli, genauso wie zu Cardiff City geführt hat. Mittlerweile ist der 37-Jährige Individualtrainer für den Stürmernachwuchs – sowohl im Rapid-Nachwuchs, als auch im ÖFB-U19-Nationalteam.
"Der erste Schritt kann nur der Individualtrainer für die Stürmer sein. Auch, um das Gespür zu bekommen: Ist das überhaupt etwas für mich. Ich wollte bewusst einen langsamen Schritt machen", erzählte Burgstaller nun im "Canal+"-Podcast "Ohne Filter" mit ÖFB-Torjäger Michael Gregoritsch. Für ihn sei dies "der perfekte erste Schritt" gewesen.
Eines hat sich für den Kult-Rapidler in seiner neuen Rolle bereits herausgestellt: "Die Jungen hinterfragen viel mehr", sagte der Individualtrainer, gleichzeitig könne man mit Nachwuchsspielern nicht so arbeiten, wie mit einem gestandenen Fußballer der Profis. "Das war schon interessant, es macht mir aber sehr Spaß", so der 37-Jährige.
"Wenn ich sage: Wir üben jetzt Platteln ins lange Eck, dann kommt: ,Aber der Mbappe hat jetzt zwei ins kurze Eck geschossen mit der Innenseite'", erzählte Burgstaller von Gesprächen mit den Talenten. Die würden ihre Vorbilder ganz genau verfolgen und alles nachmachen. Die Antwort des Kult-Stürmers darauf: "Das Tor zählt gleich viel, wenn ihr ihn einfach nur in die Ecke schiebt."
Dann brachte Burgstaller ein weiteres Beispiel. "Sie sehen, wie der Olise jedes Mal nach innen dribbelt und den Ball ins lange Eck schießt. Dann sage ich: ,Tut mir leid, das ist der Olise und nicht du'", schmunzelte Burgstaller. Und fügte dann an: "So erkläre ich es nicht. Aber sie hinterfragen es schon durch die Vorbilder, die sie sehen. Sie wollen auch so schießen."
Letztendlich würde es aber zunächst einmal um die Basics gehen. "Wenn du von zehn Versuchen zehnmal rechts unten hineinschießt, dann können wir rechts oben probieren. Step by Step", würde er seinen Talenten dann sagen. "Die Vollprofis kaufen dir mehr ab", meinte Burgstaller.
Er selbst habe vor allem in seiner Jugendzeit nie ein individuelles Schusstraining gehabt. "Da war normales Mannschaftstraining. Im Garten haben wir dann Roberto Carlos oder David Beckham nachgemacht, 1.000 Mal gegen die Hausmauer geschossen. So haben wir die Schusstechnik gelernt", erzählte Burgstaller. "So haben wir den ersten Kontakt geübt. Der ist für mich wichtiger als jede Schusstechnik. Wenn der erste Kontakt nicht sauber ist, wirst du nicht zum Schießen kommen. Und wenn du den ersten Kontakt sauber hast, brauchst du keine Übersteiger oder wie diese Pfitschigogerl-Tricks heißen", lachte der 37-Jährige dann.