Ein schmutziges Auto vor mir, ein Hochdruckreiniger in der Hand und jede Menge Arbeit vor der Brust. So beginnt "Car Wash Simulator" für PC. Die Aufgabe ist simpel: Das Auto muss sauber werden. Doch schon nach den ersten Aufträgen zeigt sich, dass das Spiel nicht einfach nur ein Simulator für Hochdruckreiniger ist. Hinter dem Waschen steckt ein kompletter Geschäftsbetrieb. Du verdienst Geld, verbesserst deine Ausrüstung, erweiterst deinen Standort und versuchst, aus einem kleinen Waschplatz ein größeres Unternehmen zu machen. Wer einfach nur in aller Ruhe Dreck von Autos spritzen möchte, bekommt hier zwar entsprechende Beschäftigung, wird aber immer wieder mit anderen Aufgaben konfrontiert.
Und irgendwann wird es sogar kriminell. Die ersten Arbeitsabläufe sind schnell verstanden. Du nimmst ein Fahrzeug an, beginnst mit der Reinigung und arbeitest dich Schritt für Schritt durch den Schmutz. Wasser allein reicht dabei nicht immer aus. Verschiedene Reinigungsmittel und Schaumarten kommen zum Einsatz, bevor der Hochdruckreiniger den Rest erledigt. Du arbeitest mehrere Schritte ab und siehst anschließend, ob du wirklich alle verschmutzten Stellen erwischt hast. Das klingt banal, ist aber genau die Art von Tätigkeit, die bei einem Simulator funktionieren kann. Es gibt ein klares Ziel und einen sichtbaren Fortschritt. Das Spiel verändert diesen ruhigen Ablauf später mit Zeitvorgaben.
Wenn du ohne Zeitdruck arbeitest, kannst du dich auf die einzelnen Bereiche des Fahrzeugs konzentrieren. Sobald die Uhr läuft, beginnst du automatisch effizienter zu arbeiten. Du überlegst, welchen Bereich du zuerst bearbeitest und wo du keine Zeit verlieren darfst. Für besonders gute Leistungen gibt es zusätzliche Belohnungen. Trinkgeld und Geldboni können davon abhängen, wie schnell und sauber du arbeitest. Allerdings ist dieser Zeitdruck nicht immer angenehm. Wer gerade wegen der ruhigen Reinigung zu einem solchen Spiel greift, bekommt damit eine Mechanik vorgesetzt, die das Tempo erhöht. Du arbeitest jedoch nicht einfach nur Auftrag für Auftrag ab und bist danach fertig.
Das verdiente Geld fließt in deinen Betrieb. Du kannst deine Ausrüstung verbessern und deinen Standort weiterentwickeln. Bessere Ausrüstung kann die Arbeit erleichtern, neue Standorte können mehr Geld bringen. Das Wirtschaftssystem geht sogar noch weiter. Neben dem eigentlichen Waschbetrieb kannst du weitere Grundstücke beziehungsweise Standorte erwerben oder mieten. Diese werden nicht einfach nur als zusätzliche Waschplätze behandelt. Du kannst sie ausbauen und mit verschiedenen Einrichtungen versehen. Während du an deinem aktuellen Standort arbeitest, können andere Immobilien langfristig Geld abwerfen. Der Simulator macht aus dem kleinen Waschplatz damit Schritt für Schritt ein Netzwerk.
Gleichzeitig wird hier auch eine Schwäche sichtbar. Das Spiel packt viele unterschiedliche Systeme in eine relativ einfache Grundidee. Autowäsche, Zeitdruck, Geschäftsführung und Immobilienverwaltung stehen nebeneinander, greifen aber nicht wirklich ineinander. Die vielleicht ungewöhnlichste Seite von "Car Wash Simulator" beginnt dann dort, wo das ehrliche Geschäft nicht mehr reicht. Du kannst dich auf legale Aufträge konzentrieren oder Angebote aus einer zwielichtigeren Ecke annehmen. Dabei geht es um lukrativere Geschäfte, die aber auch Risiken mit sich bringen. Die lokale Polizei kann deinen Betrieb kontrollieren. Wer sich auf die falschen Geschäfte einlässt, muss damit rechnen, dass der Gewinn Konsequenzen hat.
Das Spiel macht daraus kein realistisches Kriminalspiel. Der schwarze Humor steht im Vordergrund. Noch ungewöhnlicher wird es bei den zusätzlichen Immobilien. Diese können für geheime Plantagen genutzt werden, die wiederum Geld für den Schwarzmarkt liefern. Diese Ideen sind nicht per se schlecht, wirken aber ziemlich losgelöst vom eigentlichen Waschen. Wer wegen der Autopflege startet, landet plötzlich bei einem Geschäftssystem, das mit dem Reinigen von Fahrzeugen nur noch indirekt zu tun hat. Wenn du einen möglichst authentischen Reinigungssimulator möchtest, ist die zusätzliche Geschäftsebene störend. Wenn du hingegen ein witziges, wenn auch etwas konfuses Wirtschaftsspiel suchst, bekommst du mehr geboten.
Die Reinigung selbst ist der Teil, bei dem das Spiel seine Aufgabe am besten erfüllt. Du sprühst Schaum auf eine dreckige Fläche, bearbeitest sie und siehst, wie die Verschmutzung verschwindet. Es ist eine ähnliche Befriedigung wie beim Aufräumen einer stark verschmutzten Wohnung oder beim Reinigen eines Gegenstands, der lange nicht gepflegt wurde. Am Anfang sieht alles schlimm aus. Am Ende ist die Oberfläche sauber. Wenn die Uhr läuft, schaust du jedoch plötzlich nicht mehr nur auf die Verschmutzung. Du beobachtest auch den Fortschritt der Aufgabe und versuchst, keine unnötigen Wege zu machen. Aus einem bisher ruhigen Reinigungsspiel wird ein kleiner Wettlauf. Das kann Spaß machen, ist aber nicht entspannend.
Ich würde deshalb nicht sagen, dass Zeitdruck grundsätzlich eine gute oder schlechte Idee ist. Er passt einfach nicht zu jedem Teil des Spiels gleich gut. Und das gilt, je länger man spielt, für immer mehr Bereiche. Das Spiel führt Konkurrenz ein, bleibt aber bei der Wirtschaftsmechanik zurückhaltend. Zwischendurch gibt es auch Dinge, die mit der eigentlichen Autowäsche wenig zu tun haben. In einem Einkaufsbereich kannst du unter anderem kleinere Minispiele ausprobieren. Dazu gehören Schießbuden-ähnliche Aufgaben mit einer Spielzeugpistole, Basketball mit Müllsäcken und das Einsammeln entlaufener Einkaufswagen. Diese Aktivitäten motivieren aber genau null dazu, sie auch tatsächlich auszuprobieren.
Immer wieder scheinen aber kleine Ideen durch, die Sinn machen: Wenn ein Fahrzeug vollständig aufbereitet ist, kannst du dich selbst hineinsetzen und eine kurze Probefahrt machen. Es ist ein kleiner, aber passender Moment, der den ansonsten sehr funktionalen Ablauf auflockert. Je länger man spielt, desto deutlicher werden allerdings die Unterschiede zwischen den einzelnen Bereichen. Die Autowäsche selbst hat eine klare Idee. Auch das Wirtschaftssystem lässt sich mit gutem Willen nachvollziehen. Die kriminellen Nebenwege setzen noch einmal einen ganz eigenen Akzent. Zusammen wirkt das nicht rund. Manchmal springt das Spiel zwischen den verschiedenen Systemen wild hin und her.
Technisch setzt "Car Wash Simulator" keine besonders hohen technischen Anforderungen voraus. Umgekehrt wäre aber an technischer Funktionalität vieles verbesserungswürdig. Je länger man spielt, umso mehr häufen sich Darstellungsfehler, Bugs wie sich nicht öffnende Türen oder nicht nutzbare Geräte und auch der eine oder andere Ruckler. Das ist besonders ärgerlich, weil ein simpler Simulator von einem simplen Gameplay lebt. Eine große Geschichte erzählt "Car Wash Simulator" übrigens nicht. Du startest klein und willst größer werden, dafür brauchst du Geld, bessere Ausstattung und weitere Standorte. Das war es erzählerisch auch schon, auf mehr Story verzichtet der Simulator.
"Car Wash Simulator" hat eine gute Ausgangsidee und macht aus einer eigentlich einfachen Tätigkeit überraschend viel. Das Waschen selbst funktioniert am besten. Schaum auftragen, mit dem Hochdruckreiniger nacharbeiten und am Ende ein sauberes Fahrzeug vor sich zu haben, erzeugt genau den kleinen Erfolg, den solche Simulatoren brauchen. Dazu kommt der Aufbau des eigenen Betriebs. Geld wird in bessere Ausrüstung und weitere Standorte gesteckt. Dadurch entsteht ein Grund, weiterzuarbeiten und -spielen. Die Zeit-Challenges bringen zusätzliche Spannung, nehmen dem Spiel aber teilweise die Ruhe. Die Immobilienverwaltung erweitert den Umfang, wirkt aber nicht immer eng mit dem Waschbetrieb verbunden.
Und dann wäre da noch die kriminelle Seite. Die Möglichkeit, auf illegale Geschäfte und geheime Plantagen auszuweichen, ist zweifellos ungewöhnlich. Gleichzeitig zeigt sich hier auch das Grundproblem: "Car Wash Simulator" hat viele Ideen, aber bringt sie nicht unter einen Hut. Für mich bleibt deshalb ein Simulator mit einem brauchbaren Kern, der sich selbst im Weg steht. Das Spiel hätte vermutlich davon profitiert, seine stärksten Elemente konsequenter auszubauen, statt immer neue Systeme hinzuzufügen. Die Autowäsche macht Spaß. Der Aufbau des Geschäfts kann motivieren. Die kriminelle Nebenwelt ist ungewöhnlich. Es gibt aber immer wieder Momente, in denen der Spielfluss unnötig auseinanderfällt.