Das Opernhaus war fast ausverkauft, auf dem Programm stand Mozarts Hochzeit des Figaro. Nach der Pause warteten die Gäste gespannt auf die Fortsetzung – bis eine unerwartete Nachricht den Abend des 28. Jänner erschütterte: Eine der Hauptrollen habe ihre Stimme verloren und könne die Vorstellung nicht zu Ende singen.
"Wir haben 500 Euro für unsere Karten bezahlt, es wäre sehr schade, wenn die Vorstellung abgebrochen werden müsste", so eine Wienerin. Und für kurze Zeit sah es tatsächlich danach aus: Adriana González, die an diesem Abend die Gräfin Almaviva sang, konnte aufgrund von Problemen der Stimmbänder die beliebte Arie "Dove sono i bei momenti" nicht singen.
Zunächst hieß es noch: "Die Vorstellung möchte sie trotzdem zu Ende singen." Doch bereits nach nur einer weiteren Arie war klar: González hatte ihre Stimme endgültig verloren und konnte die Vorstellung keineswegs fortsetzen.
Kurz darauf folgte jedoch die erlösende Nachricht: Hanna-Elisabeth Müller, die Premierenbesetzung der Gräfin, hielt sich zufällig für Proben in Wien auf und konnte einspringen. Mit dem Taxi war sie innerhalb weniger Minuten in der Staatsoper und sang die ersten Arien aus dem Orchestergraben, bevor sie in Maske und Kostüm auf die Bühne kam.
González sorgte unterdessen dafür, dass die Gäste auch etwas zu sehen hatten: Sie spielte weiter auf der Bühne und bewegte die Lippen zu Müllers Gesang. Unter tosendem Applaus traten die beiden Sängerinnen schließlich Hand in Hand vor den Vorhang und ließen sich gebührend feiern.