Für diesen Fall sollte eigentlich alles genau durchgeplant sein. Britische Medien bereiten sich seit Jahren darauf vor, wie sie im Fall des Todes von König Charles III. reagieren. Bei einem Radiosender sorgten genau diese Vorbereitungen nun allerdings für eine kuriose Panne.
Am 19. Mai wurden bei Radio Caroline während der "Barry Marsh Show" plötzlich drei vorproduzierte Meldungen ausgestrahlt, in denen der Tod des 77-jährigen Monarchen verkündet wurde.
Das Problem: König Charles war quicklebendig.
Die britische Medienaufsicht Ofcom hat den kuriosen Vorfall nun untersucht – und dabei kam heraus, wie die falsche Todesmeldung überhaupt auf Sendung gelangen konnte.
Während Moderator Barry Marsh seine Sendung von einem anderen Ort aus moderierte, führte ein Mitarbeiter im Studio Wartungsarbeiten an einem Computer durch.
Dabei entdeckte er drei Audio-Dateien, die offenbar eigens für den tatsächlichen Tod von König Charles vorbereitet worden waren. Für ihre Verwendung existierten laut Radio Caroline "strikte Anweisungen" an Moderatoren und Verantwortliche.
Doch der Mitarbeiter wollte offenbar wissen, was sich in den Dateien befand.
Laut Ofcom spielte er sie "aus Neugier" ab. Was er dabei offenbar nicht bedacht hatte: Dadurch wurde die laufende Übertragung des Moderators unterbrochen – und die vorbereiteten Todesmeldungen gingen tatsächlich über den Sender.
Für die Hörer muss die Situation vollkommen echt gewirkt haben.
Insgesamt liefen drei vorbereitete Meldungen. In einer davon wurde sogar behauptet, "Nachrichtenmedien" hätten den Tod von König Charles bestätigt.
Anschließend spielte der Sender die britische Nationalhymne. Danach wurde eine der Meldungen erneut ausgestrahlt. Und dann: nichts.
Rund 16 Minuten lang herrschte laut Ofcom Funkstille, ehe Radio Caroline schließlich wieder zum regulären Programm zurückkehrte.
Besonders kurios: Als der Mitarbeiter bemerkte, was er angerichtet hatte, stoppte er die Dateien – und verließ anschließend das Büro.
Moderator Barry Marsh hatte von dem Chaos zunächst überhaupt nichts mitbekommen. Er befand sich während der Panne in einem Telefongespräch und moderierte seine Sendung nicht aus dem Studio.
Erst später wurde klar, was tatsächlich über den Sender gegangen war.
Rund 30 Minuten nach der falschen Todesmeldung folgte schließlich die Entschuldigung.
"Mir wurde gerade mitgeteilt, dass wir vorhin irrtümlicherweise einige Informationen ausgestrahlt haben", erklärte Marsh seinen Hörern. Er selbst habe die Meldung nicht gehört. Die Information sei jedenfalls falsch gewesen und man entschuldige sich dafür.
Ganz so lustig fand die britische Medienaufsicht den Vorfall allerdings nicht. Zwei Beschwerden gingen bei Ofcom ein.
In einem am 10. August veröffentlichten Bericht stellte die Behörde fest, dass Radio Caroline mit der Panne gegen zwei Regeln des britischen Broadcasting Code verstoßen hatte. Nachrichten müssen mit der erforderlichen Genauigkeit verbreitet werden. Bedeutende Fehler sollen zudem möglichst schnell auf Sendung eingeräumt und korrigiert werden.
Radio Caroline erklärte, man habe den Vorfall "sehr ernst" genommen und unmittelbar an der Aufklärung gearbeitet.
Auch für den neugierigen Mitarbeiter hatte sein folgenschwerer Klick Konsequenzen: Er wurde vom Sender gerügt und entschuldigte sich für die Panne.
Die vorbereiteten Todesmeldungen wurden inzwischen vom Studio-Computer entfernt. Sie werden nun auf einer externen Festplatte aufbewahrt – hoffentlich bis zu dem Tag, an dem sie tatsächlich gebraucht werden.