Chinas Wirtschaft wächst so langsam wie seit drei Jahren nicht mehr. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 4,3 Prozent, wie Peking mitteilt. Damit konnte der von der chinesischen Regierung vorgegebene Zielwert von 4,5 bis fünf Prozent nicht erreicht werden.
Die chinesische Führung legt für die heimische Wirtschaft jährliche Wachstumsziele fest. In den letzten 15 Jahren konnten diese fast immer erfüllt werden. Unabhängige Experten hegen jedoch Zweifel an der Richtigkeit der Angaben.
Um die Wachstumsziele zu erreichen, ist die chinesische Wirtschaft besonders auf den Außenhandel angewiesen. Industrie und Exporte konnten so auch im letzten Halbjahr stark zulegen, unterstützt durch die starke Auslandsnachfrage. Besonders die Produktion von Halbleitern und Computertechnik, aber auch von Autos stützt die Exportwirtschaft.
Bedeutend schlechter steht es hingegen um den chinesischen Binnenmarkt: Die Nachfrage nach Konsumgütern und Immobilien in China ist zuletzt massiv eingebrochen.
Wie "ntv" berichtet, sind sich Experten schon lange sicher, dass die chinesische Regierung bei den Wachstumszahlen der heimischen Wirtschaft lügt. So gibt es in den offiziellen Statistiken kaum Schwankungen. "Das ist sicherlich schöngerechnet von unten nach oben, jeder Provinzchef möchte gut rüberkommen", meint Jörg Wuttke, ehemaliger Leiter der Europäischen Handelskammer in Peking.
So werden auch die Zahlen der letzten Jahre, die offiziell ein Wachstum von fünf Prozent pro Jahr betragen, kritisch betrachtet. Experten gehen eher von 1,5 bis drei Prozent aus, was angesichts einer so großen Volkwirtschaft immer noch ein bedeutendes Wachstum darstellt.
Trotz der schlechten Zahlen zeigen sich Chinas Statistiker optimistisch. Der aktuelle Rückgang des Wachstums sei auf "äußere Faktoren" zurückzuführen, so der Vizekommissar des Statistikamts Mao Shengyong. Zu diesen Faktoren zählen die Konfliktlage im Nahen Osten und ein allgemeines langsames Wachstum der Weltwirtschaft.