Die US-Inflation hat sich im Juni stärker abgeschwächt als von Experten erwartet. Die Teuerungsrate fiel von 4,2 Prozent im Mai auf nunmehr 3,5 Prozent. Ökonomen hatten im Schnitt mit 3,8 Prozent gerechnet. Auf Monatssicht gingen die Verbraucherpreise sogar um 0,4 Prozent zurück – der stärkste Rückgang seit April 2020. Die Kerninflation, bei der Energie und Lebensmittel ausgeklammert werden, sank auf 2,6 Prozent.
Für die Finanzmärkte sind das zunächst gute Nachrichten. Eine niedrigere Inflation nimmt den Druck von der US-Notenbank Fed, die Leitzinsen weiter anzuheben. Anleger hoffen nun, dass die Zinsen länger stabil bleiben oder mittelfristig sogar wieder sinken könnten.
Vor allem Technologieaktien reagieren traditionell positiv auf sinkende Inflation und die Aussicht auf niedrigere Finanzierungskosten. Entsprechend legten Nasdaq und S&P 500 nach Veröffentlichung der Daten zu, während der Dow Jones zunächst leicht im Minus startete.
Für die US-Wirtschaft sind die Zahlen ebenfalls ein Hoffnungsschimmer. Wenn die Inflation nachlässt, steigt die Kaufkraft der Haushalte. Gleichzeitig sinkt der Druck auf Unternehmen, ständig höhere Preise weiterzugeben. Das kann den Konsum stützen und das Risiko einer stärkeren Konjunkturabkühlung verringern.
Allerdings warnen Experten vor zu viel Euphorie. Der deutliche Rückgang ist vor allem auf massiv gesunkene Energiepreise zurückzuführen. Der Benzinpreis etwa fiel um 9,7 Prozent. Auch bei Dienstleistungen, zum Beispiel im Wohnbereich, ließ der Preisdruck spürbar nach.
Ob die Fed tatsächlich bald eine lockerere Geldpolitik einschlägt, bleibt dennoch fraglich. Hintergrund ist der zuletzt wieder gestiegene Ölpreis nach den neuen Spannungen im Nahen Osten. Sollten Energiepreise erneut kräftig anziehen, könnte das die Inflation wieder nach oben drücken. Mehrere Analysten gehen deshalb davon aus, dass die US-Notenbank trotz der positiven Überraschung vorsichtig bleibt.
Für Anleger gilt daher: Die heutigen Inflationsdaten sind zwar ein positives Signal, sie bedeuten aber noch keine endgültige Trendwende. Die nächsten Monate werden zeigen, ob die Preisentwicklung nachhaltig unter Kontrolle bleibt.