Aktuelle Wifo-Prognose

Jobs, Preise, Staat: So steht es wirklich um Österreich

Die gute Nachricht: Österreichs Wirtschaft wächst. Weniger gut: Der Aufschwung bleibt schwach, die Teuerung hoch, ebenso wie die Arbeitslosigkeit.
Team Wirtschaft
26.06.2026, 16:55
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Österreichs Wirtschaft kommt nur langsam vom Fleck. Das Wifo rechnet für 2026 mit einem realen Wachstum von 0,9 Prozent, 2027 sollen es 1,1 Prozent werden. Der Grund für die gedämpfte Stimmung: die Folgen des Kriegs im Iran, teure Energie, hohe Inflation und ein weiter angespannter Arbeitsmarkt.

Entwicklung "alles andere als stürmisch"

Die Ausgangslage sei zwar besser als noch im Frühjahr gedacht, weil Österreichs Wirtschaft im Vorjahr stärker gewachsen ist als angenommen. Trotzdem bremst die Irankrise die Konjunktur spürbar. Die Inflation ist gestiegen, die Stimmung bei Haushalten und Unternehmen hat sich eingetrübt. Ab der zweiten Jahreshälfte soll die Wirtschaft aber wieder mehr Schwung bekommen, sobald die Energiepreise sinken.

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Wifo-Direktor Gabriel Felbermayr formulierte es bei der Präsentation am Donnerstag nüchtern: "Die österreichische Volkswirtschaft wächst heuer preisbereinigt um etwa 0,9 Prozent." Das sei "alles andere als stürmisch", angesichts der Krisenlage aber "passabel". Gleichzeitig sei Österreich damit immerhin um zwei Zehntel besser unterwegs als der Euro-Raum.

Für 2027 erwartet das Wifo ein Wachstum von rund 1,1 Prozent. Felbermayr verwies auf "weiterhin hohe Prognoseunsicherheit nach unten aber auch nach oben". Inflation und Arbeitslosigkeit mussten nach oben korrigiert werden – auf 3,2 Prozent bzw. auf 7,5 Prozent.

Iran-Krise bremst Österreich

Die vergangenen Monate standen laut Felbermayr im Zeichen der Irankrise. Stark gestiegene Preise für fossile Energie hätten die Inflation zwischenzeitlich auf 3,7 Prozent getrieben und die Verbraucher verunsichert. Dazu kamen steigende Zinsen und Belastungen für den Welthandel.

Besonders stark bremst laut Wifo die Sperre der Straße von Hormus. Sie habe den Welthandel und das Investitionsklima belastet. Im zweiten Quartal 2026 dürfte die heimische Wirtschaft daher kaum mehr als stagniert sein, so Felbermayr. Der starke Jahresauftakt und eine Rückkehr zum Wachstum in der zweiten Jahreshälfte sollen das Gesamtbild aber retten.

Wifo-Experte Stefan Ederer sieht bei den Energiepreisen zumindest eine mögliche Entlastung. "Die Terminmärkte erwarten derzeit, dass die Energiepreise schneller sinken, als wir in der aktuellen Wifo-Prognose angenommen haben", sagt er. Ein stärkerer Rückgang würde zu einer schnelleren wirtschaftlichen Erholung führen.

Hohe Inflation bleibt Problem

Die Teuerung dürfte 2026 im Jahresdurchschnitt bei 3,2 Prozent liegen. 2027 soll sie auf 2,4 Prozent zurückgehen. Das ist weniger als heuer, aber immer noch höher als gewünscht – und höher als im Euro-Raum.

Felbermayr nennt als Grund die Dienstleistungsinflation. Zwar sollte eine schrittweise Normalisierung auf den Energiemärkten den Preisdruck dämpfen. Gleichzeitig rechnet das Wifo aber damit, dass die Spritpreisbremse Ende Juni ausläuft. Im kommenden Jahr steigen dann auch die Preise für Fernwärme, Gas und Strom zeitverzögert. Sinkende Mineralölpreise sollen jedoch überwiegen und die Teuerung dämpfen.

Für viele Haushalte bleibt die Lage trotzdem angespannt. Zurückhaltende Lohnabschlüsse aus dem Vorjahr und hohe Inflation drücken die Kaufkraft. Die realen Haushaltseinkommen schrumpfen deshalb laut Wifo erneut. Dementsprechend würden Konsumausgaben und Bruttowertschöpfung in konsumnahen Dienstleistungsbereichen "nur mäßig zunehmen".

Lage am Arbeitsmarkt weiter angespannt

Auch für den Arbeitsmarkt gibt es keine Entwarnung. Das Wifo rechnet heuer im Jahresschnitt mit 323.000 Arbeitslosen. Im kommenden Jahr sollen es knapp 10.000 weniger sein. Die Arbeitslosenquote steigt 2026 auf 7,5 Prozent, 2027 soll sie leicht auf 7,3 Prozent sinken.

Überraschend positiv sieht das Wifo die Entwicklung in der Industrie. Sie wachse seit Anfang 2025 wieder, so Felbermayr. Für 2026 erwartet das Institut eine um 1,5 Prozent höhere reale Wertschöpfung in der Herstellung von Waren. 2027 soll es ähnlich weitergehen.

Die Probleme sind damit aber nicht weg. Der Welthandel bleibt schwierig, die Konkurrenz aus China wird stärker. Dazu dürften die Margen unter Druck stehen. Felbermayr warnt, dass per Saldo weiter Industriejobs verloren gehen werden. Österreichs Industrie setze sich dennoch deutlich von Deutschland ab.

Auch die Warenexporte sollen 2026 real um 1 Prozent zulegen. Die Bruttoausrüstungsinvestitionen dürften um 3,3 Prozent steigen. Lohnabschlüsse unter der Inflationsrate hätten die Wettbewerbsfähigkeit leicht verbessert. Die Kehrseite: fallende Nettoreallöhne und eine höhere Steuer- und Abgabenlast.

Österreicher halten sich bei Ausgaben zurück

Diese Entwicklung belastet den Handel. Für 2026 erwartet das Wifo dort nur ein reales Plus von 0,3 Prozent bei der Bruttowertschöpfung. Hier seien, so Felbermayr, die Spuren der hohen Inflation sehr deutlich.

Auch der reale Konsum wächst aufgrund der Teuerung nur sehr verhalten. Wenn sich die Nachrichtenlage nach der Deeskalation am Golf weiter verbessert, könnte sich die Lage laut Felbermayr zumindest stabilisieren.

Der Tourismus leidet ebenfalls unter der unsicheren Weltlage. Die Dienstleistungsexporte dürften 2026 deutlich schwächer wachsen als im April angenommen. Trotzdem soll die reale Wertschöpfung in Beherbergung und Gastronomie in beiden Prognosejahren um rund 1 Prozent zulegen. 2024 und 2025 war sie noch geschrumpft.

Bau steckt im achten Krisenjahr

Besonders düster fällt der Blick auf die Bauwirtschaft aus. Felbermayr spricht von einer weiteren Enttäuschung. Auch 2026 dürfte die reale Bruttowertschöpfung in diesem Sektor schrumpfen. Damit sei "die Bauwirtschaft das achte Jahr im Abschwung".

Die Bauinvestitionen spiegeln diese Abwärtsbewegung deutlich wider. Im Gebäudesektor liegen die Bruttoinvestitionen nur mehr knapp über den Abschreibungen. Das bedeutet: Trotz steigender Nachfrage nach Wohnraum wächst das Angebot kaum.

Felbermayr fordert Unterstützung für Bausektor

Felbermayr fordert deshalb mehr Augenmerk der Bundesregierung auf den Bausektor. "Wir schlagen drei Dinge vor", sagte er. Erstens sollten Bauinvestitionen bei der Budgetkonsolidierung nicht überproportional gekürzt werden – vor allem bei Gemeinden und Ländern. Sonst drohe ein dauerhafter Rückgang der Baukapazitäten.

Zweitens solle der Staat die Krise des Hochbaus nicht durch neue Regeln weiter verschärfen. Das habe er schon mit der KIM-Verordnung getan. Jetzt drohe Ähnliches mit dem geplanten stärkeren Risikopuffer für gewerbliche Immobilien. Wenigstens der gewerbliche Wohnbau solle geschont werden, wie das der deutsche Regulator tue.

Drittens sieht das Wifo Spielraum im Mietrecht. Eine Anpassung könne einen Boom bei der Altbausanierung auslösen, budgetneutral sein, dem Klimaschutz helfen und das Stadtbild erhalten. Jetzt würden Sanierungen oft unterbleiben, weil sich modernisierte Altbauten wegen des Mietrechts nicht rechnen. Oder sie würden abgerissen und durch Neubauten ersetzt.

Staat profitiert massiv von den hohen Preisen

Beim Doppelbudget sieht Felbermayr kurzfristig auch eine gute Nachricht für den Finanzminister. Durch die höhere Preisdynamik steigt das nominelle BIP 2026 und 2027 jeweils um rund 4 Milliarden Euro stärker als bisher angenommen. Daraus könnten sich grob gerechnet etwa 2 Milliarden Euro höhere Staatseinnahmen ergeben.

Das Defizit verbessert sich laut Wifo für 2026 leicht auf 4,0 Prozent des BIP. Für 2027 werden 3,7 Prozent erwartet. Die Staatsschuldenquote soll bis 2027 aber auf fast 84 Prozent steigen.

Felbermayr bleibt daher vorsichtig. Das Doppelbudget bewirke noch keinen sanierten Haushalt. Eine langfristige Neuverschuldung von 3 Prozent des BIP sei klar zu hoch, weil die Schuldenquote so nicht auf ein krisensicheres Niveau sinken könne. "Sonst frisst der Schuldendienst immer höhere Anteile des Budgets", warnte er.

Kritik an fehlenden "klimapolitischen Akzenten"

Zwei Punkte stören Felbermayr am Doppelbudget besonders. Erstens setze es keine klimapolitischen Akzente, obwohl sich Österreich laut Wifo weiter vom Zielpfad entfernt. Eine Senkung klimaschädlicher Subventionen und Steuerbegünstigungen könnte aus Sicht des Instituts auch bei der Budgetkonsolidierung helfen.

Zweitens seien die Anreize für mehr Erwerbsarbeit nicht stimmig. Positiv sei zwar, dass die Lohnnebenkosten fallen. Für ältere Arbeitnehmer steigen sie laut Felbermayr aber deutlich, um fast 6 Prozentpunkte. Gerade in diesem Bereich nehme die Arbeitslosigkeit merklich zu. Das Wifo hält diese Entwicklung für problematisch.

{title && {title} } tmw, {title && {title} } Akt. 28.06.2026, 10:03, 26.06.2026, 16:55
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