Der Goldpreis ist kräftig unter Druck geraten. Das Edelmetall, das für viele Anleger als sicherer Hafen gilt, fiel zuletzt auf unter 4.000 US-Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Damit ist Gold so billig wie seit Monaten nicht mehr.
Konkret fiel Gold am Mittwoch (24.6.) auf rund 3.990 Dollar je Feinunze. Am Donnerstag gab das Edelmetall zeitweise sogar auf bis zu 3.965 Dollar nach. Auch Silber wurde stark verkauft.
Für Anleger ist vor allem die Marke von 4.000 Dollar wichtig. Solche runden Schwellen haben oft eine psychologische Wirkung. Wird sie unterschritten, springen häufig weitere Verkaufsprogramme an. Dadurch kann sich ein Kursrutsch kurzfristig selbst verstärken.
Der wichtigste Grund für den Preissturz liegt in den USA. Die Märkte rechnen wieder stärker damit, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen nicht so schnell senkt – oder sie im Extremfall sogar noch einmal anheben könnte.
Das ist schlecht für Gold. Denn Gold zahlt keine Zinsen. Wenn Anleger mit US-Staatsanleihen oder Tagesgeld wieder attraktive Renditen bekommen, wirkt Gold weniger interessant. Steigende Zinsen machen das Edelmetall daher oft unattraktiver.
Dazu kommt der starke US-Dollar. Gold wird weltweit in Dollar gehandelt. Wenn der Dollar steigt, wird Gold für Käufer außerhalb der USA teurer. Das bremst die Nachfrage und drückt zusätzlich auf den Preis.
Experten haben mittlerweile ihre Prognosen nach unten korrigiert. So haben etwa die Analysten der Deutschen Bank ihre Goldpreis-Prognosen für die kommenden Quartale deutlich zurückgenommen.
Für das dritte Quartal erwartet die Deutsche Bank nun im Schnitt einen Goldpreis von 4.300 Dollar je Feinunze, 22 Prozent weniger als zuvor. Für das vierte Quartal liegt die aktualisierte Prognose bei 4.800 Dollar. Auch dieser Wert liegt klar unter den bisherigen Erwartungen – und zwar um 15 Prozent.
Noch pessimistischer wird das Szenario, falls die US-Notenbank tatsächlich mehrere Zinserhöhungen beschließen sollte. Dann könnte Gold nach Einschätzung der Bank sogar in Richtung 3.800 Dollar zurückfallen.
Ein weiterer Belastungsfaktor ist die schwächere Investmentnachfrage. In den vergangenen Jahren waren goldgedeckte ETFs ein wichtiger Preistreiber. Über diese Fonds können Anleger relativ einfach in Gold investieren, ohne Barren oder Münzen zu kaufen.
Derzeit fließt aus solchen Produkten aber Kapital ab. Das heißt: Viele Investoren ziehen Geld aus Goldanlagen heraus. Dadurch fehlt dem Markt eine wichtige Stütze.
Auch aus China kommen derzeit keine starken positiven Impulse. China ist einer der wichtigsten Goldmärkte der Welt. Wenn dort die Nachfrage schwächelt oder der lokale Preis unter den internationalen Preis fällt, ist das für den Weltmarkt ein Warnsignal.
Kurzfristig hängt vieles an der US-Notenbank. Bleibt die Fed hart und signalisiert weiter hohe Zinsen, könnte der Druck auf Gold anhalten. Dann wäre auch ein weiterer Rücksetzer möglich.