"Getrennte Logik"

Kein Gold – Experte räumt mit Bitcoin-Mythos auf

Bitcoin gilt oft als digitales Gold. Ein Experte erklärt nun, warum dieser Vergleich für Anleger trügerisch sein kann.
Digital  Heute
16.05.2026, 18:12
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Bitcoin und Gold werden seit Jahren gerne miteinander verglichen. Für viele Anleger gilt die Kryptowährung längst als modernes digitales Gegenstück zum Edelmetall. Doch genau dieses Bild stellt nun Dirk Heß, Geschäftsführer von nxtAssets, infrage. "Bitcoin ist doch nicht das neue Gold und genau das macht ihn für Portfolios interessant", sagt Heß. Damit widerspricht er einem Narrativ, das sich in den vergangenen Jahren immer stärker verbreitet hat.

Tatsächlich verbinden viele Investoren beide Anlageformen mit ähnlichen Eigenschaften: begrenzte Verfügbarkeit, Unabhängigkeit von klassischen Währungen und Schutz vor Inflation oder Geldentwertung. Laut Heß greift dieser Vergleich aber zu kurz. Besonders deutlich werde das beim Blick auf die tatsächlichen Marktdaten. Die Verbindung zwischen Gold und Bitcoin sei historisch schwach und stark von der jeweiligen Marktphase abhängig.

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Als Beispiel nennt Heß die Korrelation – also die Frage, ob sich zwei Anlageklassen gemeinsam bewegen oder in unterschiedliche Richtungen laufen. Hier habe es in den vergangenen Monaten massive Schwankungen gegeben. Im März 2026 lag die Korrelation laut den Daten bei minus 0,88. Das war eines der niedrigsten Niveaus seit 2022. Vereinfacht bedeutet das: Während sich eine Anlageklasse nach oben bewegte, ging die andere oft nach unten.

Unterschiede nach der Rede von Donald Trump

Von einem Gleichlauf könne also keine Rede sein. Auch ein Blick zurück auf das Jahr 2025 zeige laut Heß, wie unterschiedlich beide Märkte reagieren. Nach einer viel beachteten Rede von US-Präsident Donald Trump am 2. April 2025 hätten sich sowohl Bitcoin als auch Gold zunächst von breiten Marktverlusten erholt. Danach seien beide Märkte jedoch unterschiedlich verlaufen. Bitcoin habe deutlich stärkere Schwankungen gezeigt.

Die Korrelation zwischen beiden Anlagen habe sich in dieser Phase sogar gedreht. Lag sie am 1. April 2025 noch bei minus 0,59, stieg sie bis Ende April auf plus 0,30. Im Juni 2025 erreichte sie schließlich plus 0,60 – der höchste Wert im betrachteten Zeitraum. Doch die Lage änderte sich erneut. Im Herbst 2025 hätten zunehmende wirtschaftliche Unsicherheiten viele Anleger wieder in klassische sichere Häfen gedrängt.

Gold profitierte laut Heß von Zuflüssen, Erwartungen sinkender Zinsen und Käufen durch Notenbanken. Bitcoin hingegen sei stärker unter Druck geraten, weil die Kryptowährung weiterhin als riskanteres Investment wahrgenommen werde. Im September 2025 fiel die Korrelation erneut ins Negative und erreichte minus 0,48. Nach einem kurzen Ausschlag ins Positive blieb sie laut dem Kommentar anschließend weiter negativ – teilweise bis minus 0,50.

Zinssenkungen zunehmend infrage gestellt

Auch geopolitische Spannungen hätten zuletzt unterschiedliche Auswirkungen gezeigt. Im April 2026 liefen Gold und Bitcoin erneut auseinander. Als Auslöser nennt Heß den eskalierenden Konflikt mit dem Iran und veränderte Erwartungen rund um die Zinspolitik in den USA. Die zuvor erwarteten Zinssenkungen seien zunehmend infrage gestellt worden. Stattdessen habe eine strengere Haltung den US-Dollar gestärkt. Das habe Folgen für beide Märkte gehabt.

Während es bei Gold zu Gewinnmitnahmen kam, stabilisierte sich Bitcoin parallel dazu. Laut Heß zeige gerade diese Entwicklung besonders deutlich, dass beide Anlageformen zwar auf globale Entwicklungen reagieren, aber eben nicht automatisch gleich. "Bitcoin und Gold reagieren beide auf makroökonomische Rahmenbedingungen – aber nicht zwangsläufig in dieselbe Richtung", erklärt der Experte.

Für die Unterschiede seien nicht nur Marktstimmung oder politische Ereignisse verantwortlich. Heß verweist auch auf die grundlegend andere Struktur der beiden Märkte. Gold könne durch Förderung, Recycling oder Aktivitäten von Zentralbanken beeinflusst werden. Das verfügbare Angebot sei daher nicht völlig starr. Bei Bitcoin sei das anders. Die Kryptowährung folgt einem festen Emissionsmodell. Insgesamt wird es maximal 21 Millionen Bitcoin geben.

Zugang für Bitcoin-Anleger wird einfacher

Gleichzeitig werde Bitcoin stärker in regulierte Finanzprodukte eingebunden. Dadurch werde der Zugang für Anleger einfacher. Trotzdem bleibe Bitcoin empfindlich gegenüber globaler Liquidität und der Risikobereitschaft an den Märkten. Für Anleger sei deshalb weniger entscheidend, ob Bitcoin das bessere oder schlechtere Gold sei. Laut Heß gehe es vielmehr um die Frage, welche Rolle beide Anlageformen in unterschiedlichen Marktphasen spielen können.

"Gold bleibt der klassische sichere Hafen in Stressphasen. Bitcoin bleibt ein knappes, digitales Asset mit eigenständiger Marktlogik und höherer Sensitivität gegenüber Liquidität und Risikoappetit", sagt er. Am Ende komme es auf eine differenzierte Betrachtung an. Bitcoin und Gold würden zwar oft gemeinsam genannt, erfüllten in Portfolios aber unterschiedliche Aufgaben. Die fehlende verlässliche Korrelation mache beide Anlagen erst interessant.

{title && {title} } red, {title && {title} } 16.05.2026, 18:12
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