Ende der Gold-Rallye?

Darum verkaufen Notenbanken plötzlich tonnenweise Gold

Nach Jahren der Zukäufe werfen Zentralbanken plötzlich Gold auf den Markt. Der Iran-Krieg zwingt viele Länder, ihre Reserven anzuzapfen.
Newsdesk Heute
29.04.2026, 22:21
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Jahrelang kauften Zentralbanken rund um den Globus Gold in rauen Mengen. Von 2022 bis 2024 waren es jeweils mehr als 1.000 Tonnen pro Jahr. Damit heizten sie eine historische Preisrallye an. Doch seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hat sich das Blatt gewendet.

Der Goldpreis erreichte im Januar dieses Jahres mit fast 5.600 Dollar pro Feinunze einen Rekordstand. Seitdem ist er um mehr als 1.000 Dollar eingebrochen. Aktuell liegt der Preis bei rund 4.600 Dollar pro Feinunze.

Wie NTV berichtet, haben mehrere Staaten in den vergangenen Wochen größere Mengen Gold auf den Markt geworfen. Die türkische Notenbank verringerte allein im März ihren Goldbestand um 131 Tonnen. Russlands Zentralbank verkaufte bis Ende März knapp 22 Tonnen, um Löcher im Staatshaushalt zu stopfen. Auch Ghanas Notenbank musste Gold verkaufen.

Warum verkaufen Notenbanken jetzt Gold?

Der Hauptgrund: Der Iran-Krieg hat die Energiepreise in die Höhe getrieben. Vor allem Schwellen- und Entwicklungsländer, die von Energieimporten abhängig sind, brauchen dringend Devisen. Die Türkei etwa musste ihre Lira stützen, die durch die steigenden Energiepreise unter Druck geraten ist.

Überraschend kam auch ein Vorschlag aus Polen: Notenbank-Chef Adam Glapinski regte an, erhebliche Teile des Zentralbankgoldes zu verkaufen – um damit die Aufrüstung zu finanzieren. Dabei hatte gerade Polen in den letzten Jahren massiv Gold gekauft und verfügt mit 550 Tonnen über einen der zehn größten Bestände weltweit.

Gold bleibt Krisenwährung

Der Branchenverband World Gold Council sieht die Verkaufswelle gelassen. Zentralbank-Experte Shaokai Fan erklärte gegenüber CNBC, die Entwicklung unterstreiche gerade, warum Notenbanken Goldreserven aufbauen: "Weil Gold ein liquider Wert ist, der sich auch in unsicheren Zeiten typischerweise gut entwickelt und deshalb dann eingesetzt werden kann, wenn er gebraucht wird."

Nicht alle Notenbanken verkaufen übrigens. Manche nutzen die Preiskorrektur, um weiter kräftig zuzukaufen. Darunter – trotz der Verkaufsüberlegungen ihres Chefs – auch die polnische Notenbank.

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