Nach einem holprigen Start ins Jahr geht der Goldpreis gerade wieder ordentlich durch die Decke – "Heute" hat ausführlich berichtet.
Mittlerweile hat er die Marke von 4.600 US-Dollar pro Feinunze überschritten. Da fragt sich so mancher, ob es jetzt gescheit wäre, den Goldschmuck aus der Lade zu holen und zu verkaufen, oder ob sich andere Wege mehr lohnen.
Der Preis für eine Feinunze Gold ist seit dem Vorjahr um satte 70 Prozent gestiegen. "Das gelbe Edelmetall hat von verschiedenen Seiten Rückenwind", sagt Matthias Geissbühler, Anlagechef bei Raiffeisen Schweiz zu 20 Minuten. Gold gilt als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten – gerade bei den aktuellen geopolitischen Spannungen und der weltweiten Überschuldung.
Auch der schwache US-Dollar und die sinkenden Zinsen treiben den Goldpreis weiter nach oben. "Außerdem kaufen seit Beginn des Ukraine-Kriegs viele Notenbanken aus Schwellenländern massiv Gold, um sich unabhängiger vom US-Dollar zu machen."
Dazu kommen Krisen wie im Iran, in Venezuela, die Diskussionen rund um Grönland oder die Attacken von Trump auf den US-Notenbankchef Jerome Powell, ergänzt Christian Brenner, Chef des Edelmetallhändlers Philoro Schweiz. "In Anlegerkreisen geht zudem die Angst um, dass es auf den Finanzmärkten demnächst Korrekturen nach unten geben könnte."
Auch im kommenden Jahr dürften die Notenbanken aus den Schwellenländern die größten Goldkäufer bleiben, sagt Elias Hafner, Ökonom bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). "Daneben bedarf es aber auch einer anhaltenden ETF-Nachfrage von privaten und institutionellen Anlegern, um den Goldpreis im Jahr 2026 weiter steigen zu lassen."
Mit Zinssenkungen, Anleihenkäufen der US-Notenbank und einem schwächeren Dollar rechnen Experten mit noch mehr Investitionen in Gold. Auch die wachsende Staatsverschuldung spricht für das Edelmetall als sichere Währung. "Die Zeichen für Gold als Anlage stehen also weiter auf Grün."
Was heißt das jetzt für deinen Goldschmuck daheim? "Wer verkaufen will, bekommt aktuell einen Spitzenpreis", sagt ZKB-Experte Hafner laut 20 Minuten. Aber Achtung: Beim An- und Verkauf von Schmuck fallen Kosten an und meist gibt es einen spürbaren Abschlag auf den reinen Goldwert. "Verkaufen macht nur Sinn, wenn du den Schmuck sowieso nie trägst und keine Freude mehr daran hast", so Geissbühler von Raiffeisen Schweiz.
Wer verkaufen will, sollte aber aufpassen. Mit dem hohen Goldpreis sind auch mehr Betrüger unterwegs. Die Goldhändler Iten von Philoro und Summa von Pro Aurum geben Tipps, wie du dich vor unseriösen Anbietern schützt:
Du willst lieber investieren, statt verkaufen? Dann hast du mehrere Möglichkeiten. Die einfachste Variante: physisches Gold kaufen. Damit du beim Verkauf flexibel bleibst, raten Experten zu unterschiedlich großen Barren oder Münzen. "Bis zu einem Wert von 20.000 Franken kann man Gold zu Hause in einem Safe lagern, am besten versichert über die Haushaltsversicherung." Alles darüber gehört ins Schließfach, Depot oder Zollfreilager.
"Wer sich um die Lagerung keine Sorgen machen will, kann Gold-ETF kaufen", sagt Geissbühler. Empfehlenswert sind jene, bei denen das Gold wirklich physisch hinterlegt ist. Auch Goldminenaktien können eine Option sein, allerdings schwanken deren Kurse noch stärker als der Goldpreis selbst. "Die Minen profitieren oft auch dann, wenn der Goldpreis hoch bleibt, selbst wenn er nicht weiter steigt", so Hafner von der ZKB.