Negativpreis vergeben

100 € pro Liter! Vitamin-Saft ist Werbelüge des Jahres

Mehr als 66.000 Verbraucher haben abgestimmt: Das Nahrungsergänzungsmittel LaVita erhält den "Goldenen Windbeutel 2026" für die dreisteste Werbelüge.
Team Wirtschaft
14.07.2026, 14:07
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Über diese Auszeichnung dürfte sich wohl kein Hersteller freuen! Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat den "Goldenen Windbeutel 2026" vergeben – den Negativpreis für die aus ihrer Sicht dreisteste Werbelüge im Lebensmittelregal.

Gewonnen hat das Mikronährstoffkonzentrat von LaVita. Bei der Online-Abstimmung erhielt das Produkt 39,2 Prozent der mehr als 66.000 abgegebenen Stimmen und setzte sich damit deutlich gegen vier weitere nominierte Produkte durch.

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Vitamin-Saft kostet 100 Euro pro Liter

Im Mittelpunkt der Kritik steht die Werbung des Unternehmens. LaVita bezeichnet sein Produkt als "Naturprodukt" und wirbt mit Slogans wie "Fit fürs Leben". In sozialen Medien wurde der Saft sogar als "Saubertrank" beworben. Laut Foodwatch besteht das Produkt jedoch zu rund 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat, dazu kommen 26 zugesetzte Vitamine und Nährstoffe. Für die Halbliterflasche werden rund 50 Euro verlangt – umgerechnet rund 100 Euro pro Liter.

"100 Euro für einen Liter Fruchtsaft mit ein paar Vitaminen obendrauf: LaVita kassiert Verbraucher mit dem Wunsch nach Gesundheit kräftig ab", kritisiert Foodwatch-Expertin Alina Nitsche. Das Produkt stehe beispielhaft für irreführende Gesundheitsversprechen. Die Organisation fordert deshalb strengere Kontrollen für Nahrungsergänzungsmittel und Gesundheitswerbung.

LaVita hat auf Kritik reagiert

Unterstützung bekommt Foodwatch von der Ernährungsmedizinerin Diana Rubin. Sie betont, die Grundlage für Gesundheit sei eine ausgewogene Ernährung. Wer einen Nährstoffmangel vermute, sollte diesen ärztlich abklären lassen und nicht vorschnell zu teuren Nahrungsergänzungsmitteln greifen.

Das Unternehmen weist die Vorwürfe nicht völlig zurück. Den Slogan "Fit fürs Leben" wolle man rechtlich erneut überprüfen. Die Bezeichnung "Saubertrank" werde bereits nicht mehr genutzt. Zudem räumt man ein, dass nicht alle Zutaten "restlos" zu 100 Prozent natürlich sind.

So haben die 66.000 Konsumenten gestimmt:

  • 1. Platz: LaVita von LaVita GmbH (39,2 Prozent der abgegebenen Stimmen)
  • 2. Platz: Airfryer Backin Backpulver von Dr. Oetker (21,9 Prozent)
  • 3. Platz: Bio-Joghurt Matcha Mango von Andechser Natur (20,8 Prozent)
  • 4. Platz: Oh Yeah Bear Libido Vitamin von Beautybears GmbH (14,4 Prozent)
  • 5. Platz: Airwaves Cool Cassis von Mars (3,7 Prozent)

Platz 2 für teures Airfryer-Backpulver

Neben LaVita waren vier weitere Produkte für den "Goldenen Windbeutel" nominiert. Auf Platz zwei landete das "Airfryer Backin"-Backpulver von Dr. Oetker mit 21,9 Prozent der Stimmen. Foodwatch kritisiert, dass das Spezial-Backpulver für Heißluftfritteusen kaum Vorteile gegenüber herkömmlichem Backpulver biete, aber deutlich teurer verkauft werde.

Den dritten Platz belegte der Bio-Joghurt "Matcha Mango" von Andechser Natur mit 20,8 Prozent. Laut Foodwatch werde auf der Verpackung groß mit Matcha geworben, obwohl lediglich 0,1 Prozent des Grünteepulvers enthalten seien. Außerdem kritisiert die Organisation den hohen Zuckergehalt.

Rüffel für Libido-Gummibärchen

Auf Rang vier folgten die "Oh Yeah Bear Libido Vitamin"-Gummibärchen von Beautybears mit 14,4 Prozent. Nach Ansicht von Foodwatch werden hier Wirkungen auf die Libido versprochen, die wissenschaftlich nicht ausreichend belegt seien.

Den fünften Platz belegten die Airwaves-Kaugummis "Cool Cassis" von Mars mit 3,7 Prozent der Stimmen. Hier bemängeln die Verbraucherschützer eine versteckte Preiserhöhung durch kleinere Packungen bei nahezu gleichem Preis.

Negativpreis wurde zum 15. Mal vergeben

Foodwatch vergibt den "Goldenen Windbeutel" seit 2009, um auf irreführende Werbung und Verbrauchertäuschung aufmerksam zu machen. Heuer wurde der Negativpreis zum 15. Mal verliehen. Zu den bisherigen "Siegern" zählen unter anderem Actimel von Danone, die Milch-Schnitte von Ferrero, Coca-Colas "Smart Water" und im Vorjahr die geschrumpfte Milka-Alpenmilch-Tafel.

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