Ab sofort können Konsumenten wieder abstimmen, welches Produkt den Goldenen Windbeutel bekommt. Der Negativpreis von Foodwatch geht alljährlich an jene Werbeaussage, die aus Sicht der Organisation besonders dreist versuchen, Konsumenten zu täuschen.
Nominiert sind heuer fünf Produkte: ein Backpulver für den Airfryer von Dr. Oetker, Kaugummis von Mars, ein Bio-Joghurt von Andechser Natur, das Mikronährstoffkonzentrat LaVita und Libido-Gummibärchen von Beautybears.
"Von Shrinkflation über Gesundheitsschwindel bis zu Zutatentricksereien – die Kandidaten für den Goldenen Windbeutel haben eines gemeinsam: Sie ziehen Verbraucher mit gewieften Maschen das Geld aus der Tasche", ärgert sich Alina Nitsche von Foodwatch. Gerade bei den hohen Lebensmittelpreisen sei das besonders dreist.
Dr. Oetker verkauft ein eigenes Backpulver für den Airfryer. Beworben wird das Produkt als Innovation für das Backen im beliebten Küchengerät.
Der Vorwurf von Foodwatch: Wer sich dadurch bessere Muffins oder ein deutlich anderes Backergebnis erwartet, dürfte enttäuscht werden. Das Airfryer-Backpulver unterscheide sich demnach nicht vom normalen Backpulver. Der große Unterschied liege beim Preis: Konsumenten zahlen laut Foodwatch mindestens das Doppelte.
Bei den Airwaves-Kaugummis sieht Foodwatch einen klaren Fall von Shrinkflation. Mars habe den Inhalt der Packung von zwölf auf zehn Kaugummis reduziert.
Das Problem: Der Preis sei bei vielen Händlern unverändert geblieben oder nur minimal gesunken. Für Käufer bedeutet das laut Foodwatch eine versteckte Preiserhöhung von bis zu 20 Prozent. Man zahlt also fast gleich viel, bekommt aber weniger Inhalt.
Andechser Natur setzt bei seinem Bio-Joghurt auf die Trendzutat Matcha. Auf der Verpackung steht das Grüntee-Pulver groß im Vordergrund.
Foodwatch kritisiert aber: Im 500-Gramm-Becher stecken nur 0,1 Prozent Matcha. Das entspricht sinngemäß einer Messerspitze. Gleichzeitig enthält der Joghurt 60 Gramm Zucker. Für die grünliche Farbe sorgt zudem nicht nur Matcha, sondern auch Spirulina, ein Algenpulver.
LaVita wird als "Mikronährstoffkonzentrat" verkauft. Eine Halbliterflasche kostet rund 50 Euro. Laut Foodwatch besteht das Produkt hauptsächlich aus Fruchtsaftkonzentrat.
Kritik kommt auch von Ernährungsmedizinerin Diana Rubin vom Vivantes Humboldt Klinikum. Die Werbung erwecke den Eindruck, LaVita sei eine natürliche Rundum-Formel für ein fittes und gesundes Leben. Tatsächlich sei die Basis für Gesundheit aber ausgewogene Ernährung.
Die Libido-Gummibärchen von Beautybears versprechen "extra Spice" für das Liebesleben. Dafür verlangt der Hersteller rund 25 Euro für 60 Stück.
Foodwatch sagt: In den Bärchen steckt vor allem Zucker – sogar mehr als in klassischen Haribo-Bären. Dazu kommen zugesetzte Vitamine und Pflanzenstoffe. Deren Wirkung auf die Libido sei laut Foodwatch aber nicht belegt.
Bis 5. Juli können Konsumenten auf goldener-windbeutel.de abstimmen, welches dieser fünf Produkte den Goldenen Windbeutel 2026 bekommen soll.
Foodwatch nutzt den Negativpreis seit Jahren, um auf Verbrauchertäuschung aufmerksam zu machen. Die Organisation fordert strengere Kennzeichnungsregeln und mehr Kontrolle bei Gesundheitsversprechen, vor allem auch in sozialen Medien.
Den Goldenen Windbeutel gibt es seit 2009. Damals gewann Actimel von Danone. Später traf es unter anderem die Milch-Schnitte von Ferrero und das "Smart Water" von Coca-Cola. Im Vorjahr ging der Negativpreis an Milka Alpenmilch – wegen einer geschrumpften Tafel.