"Heute" trifft Hintermann

Comeback nach Krebs-Diagnose: "Eine kranke Ski-Bubble"

Vom Krankenbett zurück auf die Piste! Niels Hintermann ist krebsfrei – und heiß auf sein Ski-Comeback. "Heute" erzählt er seine Geschichte.
Erich Elsigan
03.12.2025, 07:06
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Niels Hintermann hat in seiner Karriere eine Weltcup-Kombi (Wengen 2017) und zwei Abfahrten (Kvitfjell 2022 und 2024) gewonnen. Seinen größten Sieg feierte der Schweizer aber im März dieses Jahres. Der Speed-Spezialist erfuhr von seinem Arzt, dass er krebsfrei ist. "Als geheilt gilt man aber erst nach zehn Jahren", sagt der 30-Jährige im "Heute"-Gespräch.

Hintermann lacht, seine Augen leuchten. Aus gutem Grund: Er feiert am Wochenende in Beaver Creek sein Comeback. Daran war im Oktober 2024 nicht zu denken. Kurz vor dem Saisonstart erhielt der Ski-Star eine niederschmetternde Diagnose: Lymphdrüsenkrebs.

"Die ersten paar Tage waren zach", erinnert sich Hintermann. "Denn es hat drei Tage gedauert bis zum Gespräch mit den Onkologen. Die drei Tage waren psychologisch sehr heftig. Dafür haben sie mir danach viel Hoffnung gemacht und relativ rasch gesagt, dass es sehr gut heilbar ist."

Hintermann musste sich einer Chemotherapie unterziehen. "Die war körperlich heftig. Doch am Ende hatte ich noch Glück." Der Sportler berichtet von anderen Schicksalen, die er im Krankenhaus mitbekommen hat. "Im Vergleich dazu ging es mir relativ gut. Denn meine schlimmsten Tage waren fast die Standardtage von denen, denen es wirklich schlecht ging."

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Fakt ist: Der Schweizer hat seit vergangenem Jahr einen anderen Blick aufs Leben – und aufs Skifahren. "Es ist eine kranke Bubble, in der wir leben. Wir Skifahrer haben ein riesiges Privileg. Ich schätze gewisse Momente jetzt wieder viel mehr. Kleinigkeiten, wie einen Sonnenaufgang, oder auf Schnee zu gehen. Nur Geduld habe ich nicht gelernt, das bleibt offenbar so."

Während Hintermann an seiner Genesung arbeitete, fuhren Marco Odermatt und Co. Sieg um Sieg für die Schweiz ein. Was hat das mit ihm gemacht? "Ich war körperlich so weit weg, dass ich eigentlich keine Verbindung mit dem Sport hatte. Es hat zwar Spaß gemacht, ihnen im Fernsehen zuzusehen, aber es ist kein Gefühl aufgekommen wie: 'Wow, das könnte ja auch ich sein'."

Als es dem Mann mit der Ricola-Mütze besser ging, Sport aber noch kein Thema war, machte er aus der Not eine Tugend. "Ich habe den Winter genossen, habe mir in Tromsö die Nordlichter angesehen – dafür hätte ich sonst nie Zeit gehabt. Ich habe auch die Zeit daheim mit der Frau und Family genossen, habe Brettspiele gespielt, habe jedes Formel-1-Rennen gesehen. Nach der Therapie braucht man einfach Zeit für sich. Es klingt blöd, aber es war ein bisschen wie eine Auszeit vom Job. Rückblickend bin ich sogar dankbar, dass ich sowas erleben konnte."

Am Freitag gibt Hintermann sein emotionales Comeback – 656 Tage nach seinem bislang letzten Rennen. "Ich will konkurrenzfähig sein", sagt der "Eidgenosse", der bisher sieben Mal am Weltcup-Podest stand.

Klappt es mit der erfolgreichen Weltcup-Rückkehr, haben die Schweizer im Kampf um den Nationencup ein "altes" Ass im Ärmel. Dass sie auf Dauer die Skination Nummer eins bleiben, glaubt Hintermann jedoch nicht. "Ich glaube, das verläuft wie eine Sinuskurve. Mal ist man besser, mal ist man schlechter. Hochmut kommt immer vor dem Fall, also wir Schweizer müssen sicher aufpassen."

{title && {title} } ee, {title && {title} } 03.12.2025, 07:06
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