"Ich wusste sofort ..."

Corona-Experte packt aus: Impfpflicht "grober Fehler"

Umweltmediziner Hans-Peter Hutter rechnet mit der Corona-Impfpflicht ab. Er spricht von einem "Schnellschuss", der viel Schaden anrichtete.
07.11.2026, 10:45
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Klare Worte von einem der bekanntesten Corona-Experten Österreichs: Der Wiener Umweltmediziner Hans-Peter Hutter, der während der Pandemie zu den wissenschaftlichen Beratern der Bundesregierung zählte, übt scharfe Kritik an der damals geplanten Impfpflicht. Im Interview mit dem "Kurier" bezeichnet er die Entscheidung als schweren Fehler.

"Als ich das damals im Radio gehört habe, wusste ich sofort, das geht nach hinten los", erinnert sich Hutter an jenen Novembertag im Jahr 2021, als die Einführung der Impfpflicht angekündigt wurde.

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"Hat viel Schaden angerichtet"

Damals waren die Corona-Fallzahlen stark gestiegen, gleichzeitig war die Durchimpfungsrate vergleichsweise niedrig. Dass die Politik in dieser Situation über eine Impfpflicht nachgedacht habe, sei zwar verständlich gewesen. Die Entscheidung selbst sieht Hutter rückblickend aber äußerst kritisch.

"Das war aus meiner Sicht ein grober Fehler", stellt der Mediziner klar. Die Impfpflicht sei ein "Schnellschuss" gewesen, der nicht nur nach hinten losgegangen sei, sondern auch viel Schaden angerichtet habe.

Hutter betont, dass er die Maßnahme von Anfang an kritisch gesehen habe. Seine Aussagen beziehen sich dabei ausdrücklich auf die politische Entscheidung zur Impfpflicht, nicht auf die Wirksamkeit der Corona-Impfungen.

Vertrauen in Wissenschaft beschädigt

Auch die Folgen der Pandemie für das Vertrauen in die Wissenschaft beschäftigen den Experten. Laut Hutter habe die Glaubwürdigkeit wissenschaftlicher Institutionen in Mitteleuropa gelitten.

Das könne sich auch auf andere Bereiche auswirken, etwa auf die Klimakrise. Ein Problem sieht Hutter darin, dass die Wissenschaft zu wenig erklärt habe, wie wissenschaftliche Erkenntnisse überhaupt entstehen und warum es dabei auch unterschiedliche Meinungen gibt.

Für die Zukunft fordert er deshalb eine bessere Kommunikation. Politische Entscheidungen müssten nachvollziehbar erklärt werden, insbesondere wenn sie weitreichende Einschränkungen für die Bevölkerung bedeuten.

Sorge vor nächster Pandemie

Für eine mögliche neue Pandemie sieht Hutter Österreich fachlich besser gerüstet als noch 2020. Fortschritte gebe es etwa bei der Entwicklung von Impfstoffen, der Nachverfolgung von Infektionen und der Früherkennung über das Abwasser.

Allerdings könnte das beschädigte Vertrauen zum Problem werden. Hutter hält es für denkbar, dass sich manche Menschen bei einer neuerlichen Pandemie gegen staatliche Maßnahmen stellen und nicht mehr mitmachen wollen.

Eine weitere Lehre aus der Corona-Zeit vermisst Hutter übrigens bis heute: den rücksichtsvollen Umgang mit kranken Mitmenschen. Wer etwa in der U-Bahn eine Maske trägt, werde häufig noch immer schräg angeschaut. In anderen Ländern sei das längst selbstverständlich.

red, Akt. 07.11.2026, 11:11, 07.11.2026, 10:45
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