Österreichs Feuerwehren sind für Waldbrände gut gerüstet. Doch genau das könnte in Zukunft nicht mehr reichen. Denn extreme Waldbrände werden hierzulande häufiger. Erreichen die Flammen eine bestimmte Dimension, stoßen selbst hervorragend ausgestattete Einsatzkräfte an ihre Grenzen.
Ein Blick auf die Waldbranddatenbank der Boku zeigt die Entwicklung: Die beiden größten erfassten Waldbrände Österreichs ereigneten sich in Niederösterreich. Fünf der zehn größten Brände trafen Kärnten und die Steiermark.
Dabei gibt es laut Boku-Experte Mortimer Müller Regionen, die besonders gefährdet sind. In Kärnten zählen die Beckenlagen und Trockentäler dazu. In der Steiermark betrifft das unter anderem den Raum Graz und teilweise die Mur-Mürz-Furche. Vegetation, Trockenheit, Lage und Gelände spielen dabei eine Rolle.
Besonders auffällig ist die Entwicklung bei Extrembränden. Zwischen 1996 und 2005 wurden zwei registriert, in den darauffolgenden zehn Jahren waren es bereits vier. In der aktuellen Periode wurden laut Müller bereits neun gezählt.
Eine Rolle spielt dabei auch die sinkende Luftfeuchtigkeit in Mitteleuropa. Hohe Luftfeuchtigkeit kann die Ausbreitung großer Waldbrände deutlich erschweren. Österreich verfüge laut Müller über eines der weltweit besten Systeme zur Brandbekämpfung. Dennoch gebe es eine Grenze.
"Es gibt ein Limit der Brandbekämpfung, es gibt Brände, die einfach nicht mehr bekämpfbar sind. Da sind wir schon sehr dicht dran in Österreich", warnt der Experte im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung".
Eine weitere Herausforderung zeigt sich im Gelände. Gerade in steilen und schwer zugänglichen Wäldern können Feuerwehrfahrzeuge nicht einfach bis zu den Flammen fahren.
"In unwegsamem, steilen Gelände ist es nicht möglich, mit den Fahrzeugen bis zum Brandherd vorzudringen. Ausrüstung und Löschmittel, sowie kilometerlange Schlauchleitungen müssten zu Fuß an den Einsatzort gebracht werden", erklärt Kärntens Landesfeuerwehrkommandant Rudolf Robin gegenüber der "Kleinen Zeitung".
In solchen Situationen seien die Einsatzkräfte auch auf Unterstützung durch Hubschrauber oder die Bergrettung angewiesen.
Der steirische Waldbrandexperte Harald Schaden brachte deshalb Löschteiche in den Wäldern ins Spiel. Damit könnte Wasser näher an gefährdeten Gebieten bereitstehen. Müller sieht darin allerdings keine Lösung für Extremfälle.
"Selbst wenn wir in jedem gefährdeten Wald einen Löschteich hätten, könnte man einen Extrembrand auch damit nicht löschen", sagt er gegenüber der Tageszeitung.
Grundsätzlich hält Müller den starken Fokus auf Wasser bei der Waldbrandbekämpfung für problematisch. Wasser werde zunehmend zu einer knappen Ressource.
"Wenn wir in Zukunft so weitermachen, werden wir irgendwann vor der Entscheidung stehen: Löschen wir den Brand oder haben die Menschen Trinkwasser in den Leitungen?", warnt Müller in der "Kronen Zeitung".
Andere Länder setzen bereits stärker auf zusätzliche Methoden. Dazu gehören das Anlegen von Schneisen, das Entfernen von Sträuchern vor einem herannahenden Feuer oder gezielt eingesetzte technische Feuer. In Österreich spielen solche Methoden bisher kaum eine Rolle.
An der technischen Ausstattung der Einsatzkräfte wird unterdessen weiter gearbeitet. Laut Robin stehen Waldbrandcontainer bereit, die bei Bedarf rasch zum Einsatzort gebracht werden können. Feuerwehren verfügen zudem über spezielle Waldbrandrucksäcke, während die Ausbildung für Wald- und Vegetationsbrände weiter ausgebaut wird.
In Kärnten entsteht derzeit außerdem ein eigenes Einsatzmodul. Dieses soll national und künftig als Teil einer österreichischen Einheit auch international eingesetzt werden können. Dafür ist weitere Spezialausrüstung vorgesehen.
Für Müller muss der Kampf gegen Waldbrände allerdings beginnen, bevor die ersten Flammen entstehen. Bei der praktischen Prävention sieht er derzeit noch großen Nachholbedarf.
Ein Ansatz wäre ein umfassenderes Brennstoffmanagement. Dazu gehören Waldumbau und Waldpflege, Beweidung sowie kontrolliertes Abbrennen. Wälder sollen dadurch so gestaltet werden, dass sich Feuer schwerer ausbreiten und Extrembrände möglichst gar nicht erst entstehen.
"Wenn wir in Österreich 20 kleine Brände gleichzeitig haben, dann schaffen unsere Feuerwehren das. Wenn es aber zehn unkontrollierbare Großbrände sind, haben wir ein Riesenproblem", sagt Müller in der "Kleinen Zeitung".
Bis entsprechende Maßnahmen etwa in der Steiermark flächendeckend umgesetzt werden könnten, rechnet Müller mit zehn bis 20 Jahren. Gleichzeitig zeigt die steigende Zahl der Extrembrände, dass der Handlungsdruck bereits jetzt groß ist.