ADAC hat getestet

Darum ist ein Crash mit 35 km/h schlimmer als mit 50

Wer mit 35 km/h verunfallt, hat ein höheres Verletzungsrisiko als jemand, der mit 50 km/h crasht. Klingt komisch, ist aber so. Das sind die Gründe.
Jochen Dobnik
22.02.2026, 06:52
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Es klingt paradox, aber es stimmt: Wer mit 35 km/h in einen Unfall verwickelt wird, kann schwerer verletzt werden als bei 50 km/h.

Das zeigt ein aktueller Crashtest des ADAC, der nun beweist, dass gerade ältere Fahrzeuginsassen bei niedriger Geschwindigkeit stärker belastet werden.

Seit Jahren optimieren Ingenieure Autos gezielt für die Standard-Crashtests von Euro NCAP. Ein Frontalaufprall bei 50km/h ist dabei entscheidend, um die volle Bewertung von fünf Sternen zu erreichen – genau dafür sind auch die Gurtkraftbegrenzer ausgelegt.

Normalerweise federt der Gurt bei einem starken Aufprall den Brustkorb wie ein Fangnetz ab. Bei 35km/h jedoch wertet das System die Wucht als zu gering und bleibt starr.

ADAC
ADAC/Viktor Schwenk

Das Ergebnis: Statt sanft zu schützen, prallt der Körper ungedämpft gegen den Gurt – die Belastung auf Brustkorb und Oberkörper steigt.

Für Senioren ist diese Lücke im Schutz fatal. "Der menschliche Körper ist im Alter weniger widerstandsfähig", erklärt der ADAC. Bei einem Aufprall mit 35 km/h trifft die Energie den Körper anders – und die Belastung kann für ältere Insassen sogar größer sein als bei höherem Tempo.

Für den Test wählte der ADAC den chinesischen Kleinwagen MG3. Schon 2025 wurde das Modell bei 50 km/h geprüft, diesmal simulierte der Crashtest 35 km/h gegen eine deformierbare Barriere – vergleichbar mit einer Leitplanke oder einem anderen Fahrzeug.

Während der Dummy auf dem Rücksitz von der niedrigeren Geschwindigkeit profitierte, waren Fahrer und Beifahrer vorne höheren Belastungen ausgesetzt. Besonders der Brustkorb wurde stärker eingedrückt, was das Verletzungsrisiko für ältere Personen erhöht.

Künftig werden verschiedene Dummies auf unterschiedlichen Positionen im Fahrzeug eingesetzt, um die Anforderungen zu erhöhen.
ADAC/Viktor Schwenk

Das Phänomen hat auch Konsequenzen für die Fahrzeugbewertung: Seit 2026 ist der 35-km/h-Crash Teil des Euro-NCAP-Standards. Künftig müssen Hersteller ihre Sicherheitssysteme so auslegen, dass sie ein breites Spektrum an Szenarien abdecken.

Außerdem werden Dummys variabel auf den Sitzen platziert, um unterschiedliche Körpergrößen und -gewichte zu simulieren. Assistenzsysteme und elektrische Türgriffe müssen künftig auch im Alltag und nach einem Unfall zuverlässig funktionieren.

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