Die meisten Hundebesitzer kennen das: Der eine Vierbeiner ist tiefenentspannt, während ein anderer bei jedem Geräusch zusammenzuckt. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass ängstliches oder aggressives Verhalten vor allem durch Erziehung und Umwelt entsteht. Doch eine neue Studie zeigt: Der Darm spielt eine entscheidende Rolle.
Forscher der Memorial University of Newfoundland in Kanada haben Kotproben von 48 Hunden analysiert. Die Tiere wurden zuvor anhand eines Verhaltensfragebogens in Gruppen mit hohen oder niedrigen Angst- und Aggressionswerten eingeteilt.
Die Wissenschaftler konnten mithilfe einer DNA-Analyse und künstlicher Intelligenz deutliche Unterschiede in der Zusammensetzung des Darmmikrobioms feststellen. Dabei fällt besonders die Bakteriengattung Blautia auf, die bei ängstlichen Hunden besonders häufig vorkommt.
"Wir fanden durchgehend, dass die Bakteriengattung Blautia mit Hunden in Verbindung stand, die im Fragebogen für Hundeverhalten und -forschung höhere Werte für Angst erzielten", erklärt Studienleiterin Sarita D. Pellowe. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass diese Bakterien eine zentrale Rolle innerhalb der sogenannten Darm-Hirn-Achse einnehmen.
Die Ergebnisse zeigen bisher jedoch nur eine Korrelation, keine Kausalität. Es wäre auch denkbar, dass nicht das Darmmikrobiom das Verhalten beeinflusst, sondern umgekehrt das Verhalten die Zusammensetzung der Darmflora verändert.
Wenn weitere klinische Studien den Zusammenhang bestätigen, könnten in Zukunft Mikrobiomanalysen dabei helfen, gefährdete Tiere frühzeitig zu erkennen. Diese könnten dann mit probiotischen Nahrungsergänzungsmitteln behandelt werden, um ihre Ängste zu reduzieren.
"Tierhalter werden davon profitieren, sich der Darmgesundheit ihres Hundes bewusst zu sein", so Pellowe. Im Zuge weiterer Forschung könnten bald mehr Behandlungsmöglichkeiten verfügbar werden.