Ein Spaziergang durch den Wald, eine Wanderung oder ein gemütlicher Nachmittag auf der Wiese – und plötzlich entdeckt man eine Zecke. Kaum ein anderes Tier ist von so vielen Mythen umgeben wie der winzige Blutsauger. Fallen Zecken wirklich von Bäumen? Hilft Öl beim Entfernen? Und schützt die FSME-Impfung vor allen Krankheiten? Ein Wiener Infektiologe klärt auf, was tatsächlich stimmt – und was nicht.
Streng genommen ist schon der Begriff "Zeckenbiss" falsch. Zecken sind Spinnentiere und besitzen keine Beißwerkzeuge. Stattdessen stechen sie mit ihrem Mundwerkzeug in die Haut und saugen Blut. Der Unterschied klingt zwar klein, zeigt aber, wie viele Irrtümer sich rund um Zecken hartnäckig halten.
Einer der bekanntesten Irrglauben überhaupt. Tatsächlich sitzen Zecken meist im hohen Gras, in Büschen oder niedrigen Sträuchern und warten dort auf einen Wirt. Beim Vorbeigehen oder Hinsetzen werden sie abgestreift und gelangen so auf den Körper. Besonders gefährdet sind Menschen, die viel im Grünen unterwegs sind – etwa Hundebesitzer, Jogger oder Jäger.
"Zeckenabwehrsprays bieten einen zusätzlichen Schutz und funktionieren tatsächlich", sagt Marton Széll, Leiter der Infektionsambulanz an der Klinik Donaustadt.
Viele Tierhalter befürchten, dass ihre Vierbeiner Zecken direkt auf sie übertragen. Laut Széll passiert das jedoch nur selten. Der Gemeine Holzbock, die häufigste Zeckenart in Österreich, befällt bevorzugt Menschen. Hunde können zwar Zecken mit nach Hause bringen, beim Kuscheln wechseln diese aber nur in Ausnahmefällen den Wirt.
Auch dieser Rat hält sich hartnäckig – ist aber falsch. Öl, Klebstoff oder andere Hausmittel verzögern das Entfernen nur unnötig. Auch das Herausdrehen bringt keinen Vorteil. Besser ist es, die Zecke möglichst rasch mit einer Zeckenkarte oder einer feinen Zeckenpinzette gerade herauszuziehen.
Bleibt dabei ein kleines Mundwerkzeug in der Haut zurück, ist das meist kein Grund zur Sorge. Der Körper stößt den Rest in den meisten Fällen von selbst wieder ab.
Nicht jede gerötete Hautstelle nach einem Zeckenstich ist gleich ein Warnsignal. Eine leichte Rötung am nächsten Tag gilt als normale Reaktion auf den Speichel der Zecke.
Eine Borreliose macht sich meist erst nach ein bis zwei Wochen bemerkbar. Typisch ist eine sich ausbreitende ringförmige Rötung. Széll empfiehlt deshalb einen einfachen Trick: Die gerötete Stelle mit einem Kugelschreiber einkreisen. So lässt sich leicht erkennen, ob sie größer wird. Treten zusätzlich Fieber, starke Kopfschmerzen oder andere Beschwerden auf, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.
Das stimmt nur teilweise. Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) schützt eine Impfung sehr zuverlässig. Erwachsene unter 60 Jahren sollten ihren Schutz alle fünf Jahre auffrischen: "Auch um diese Jahreszeit macht eine Auffrischung noch Sinn und sorgt für einen beinahe 100-prozentigen Schutz. Denn Zecken gibt es mittlerweile schon das ganze Jahr über", erklärt Széll.
Gegen Borreliose gibt es derzeit hingegen noch keine zugelassene Impfung. Forschende arbeiten zwar intensiv daran, eine Zulassung wird jedoch frühestens in den kommenden Jahren erwartet. Bis dahin bleibt der wichtigste Schutz, den Körper nach Aufenthalten im Grünen gründlich abzusuchen und Zecken möglichst schnell zu entfernen. Denn während FSME-Viren sofort übertragen werden können, benötigen Borreliose-Bakterien meist zwölf bis 24 Stunden, bis sie in den Körper gelangen.