Wird alles verändern

"Das ist selbst für Meteorologen schwer zu begreifen"

Unter dem Pazifik staut sich enorme Hitze an. Klimaforscher Michael Mann erklärt, warum der "Godzilla"-El Niño weltweit verheerende Folgen haben kann.
Newsdesk Heute
13.08.2026, 16:44
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Die Worte sind drastisch – und sie kommen von einem Meteorologen. Jeff Berardelli, Chefmeteorologe und Klimaexperte bei WFLA-TV in Tampa Bay, warnt in einem Facebook-Beitrag vor gewaltiger Wärme unter der Oberfläche des Pazifiks.

"Das ist selbst für einen Meteorologen schwer zu begreifen, aber ich habe nachgerechnet, und die Zahlen stimmen", schreibt der Fachmann. Die derzeit verfügbare Wärme im unterirdischen Pazifik liege demnach deutlich über jener des berüchtigten El-Niño-Ereignisses von 1997.

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Besonders auffällig ist eine Zahl: Allein die überschüssige Wärme entspreche laut Berardelli ungefähr 50 Jahren des gesamten weltweiten Energieverbrauchs. Diese Wärme unter der Meeresoberfläche zeige, welches Potenzial ein El-Niño-Ereignis habe – und wie viel Energie freigesetzt werden könnte, um Wettermuster zu stören und Extremwetter anzutreiben.

Sein Fazit klingt wie eine Warnung: "Das ist nicht mehr der Ozean unserer Großmütter. Die Dinge haben sich wirklich verändert."

Historischer El Niño voraus

Doch wie hart könnte ein solcher "Godzilla"-El Niño – kurz "El Godziño" – tatsächlich treffen? Genau dazu ordnet Michael E. Mann in einem auf YouTube veröffentlichten Gespräch die Lage ein. Der renommierte Klimaforscher ist Professor für Erd- und Umweltwissenschaften an der University of Pennsylvania und Autor von "Our Fragile Moment".

Mann gibt zu, anfangs mehr als skeptisch gewesen zu sein. Bei starken El-Niño-Prognosen gebe es manchmal die Tendenz, Dinge für Klicks und Seitenaufrufe aufzubauschen. Gerade im März und April seien frühe Vorhersagen schwierig, weil Klimamodelle vor dem Ende des Frühlings auf der Nordhalbkugel oft noch stark auseinanderliegen.

Erst ab Juni nehme ein El Niño laut Mann deutlichere Formen an. Inzwischen sehe die Lage anders aus. Nach seinen Worten steuere die Entwicklung "auf einen historischen El Niño" zu – zumindest nach manchen Messgrößen sogar auf den größten seit Beginn der Aufzeichnungen.

Die Folgen können laut Mann weit über den Pazifik hinausreichen. El Niño verändere das Verhalten des Jetstreams. Manche Regionen würden deutlich heißer als üblich, andere kühler. Manche Gebiete würden nasser, andere trockener. Je stärker das Ereignis, desto größer könnten auch die Auswirkungen ausfallen.

Dazu kommt ein globaler Effekt: El Niño hebt die Durchschnittstemperatur des Planeten vorübergehend an, laut Mann um einige Zehntelgrad Celsius. In einer Welt, die sich ohnehin erwärmt, könne ein starkes El-Niño-Ereignis dadurch neue Dimensionen eröffnen.

„Es treibt uns an eine neue Schwelle, die wir noch nie zuvor gesehen haben. Und diese Schwelle kann zu allen möglichen extremen Wetterereignissen führen“
Michael E. Mannüber das Zusammenspiel von El Niño und Klimawandel

Auch der Kölner Kriminalbiologe, Wissenschafter und Klima-Beobachter Mark Benecke griff die Warnung in einem Facebook-Beitrag auf. Die Wasseroberfläche im El-Niño-Gebiet habe "nie gekannte Werte erreicht", schrieb er. Sein Vergleich fällt entsprechend deutlich aus. Im Flugzeug würde es nun heißen: "Macht euch auf den Aufprall gefasst".

Mann betont zugleich: El Niño ist ein vorübergehendes Phänomen. Der zusätzliche Erwärmungseffekt werde nach etwa einem Jahr wieder verschwinden. Die langfristige Erwärmung durch zunehmende Kohlenstoffverschmutzung bleibe aber bestehen.

Sein Satz zum Schluss ist der eigentliche Kern der Warnung: Die gefährliche Klimaänderung sei da – die Frage sei, "wie schlimm wir es werden lassen".

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