So billig ist dein Leben

Dein Bankkonto ist für nur ein paar Euro zu kaufen

Von Bankdaten bis Netflix: Im Dark Web haben Online-Konten einen festen Preis. Eine Auswertung zeigt, wie niedrig er für Österreich ist.
Rene Findenig
20.04.2026, 18:38
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Wer glaubt, persönliche Daten seien für Kriminelle besonders wertvoll, liegt nur teilweise richtig. Eine aktuelle Auswertung des Sicherheitsunternehmens NordVPN zeigt: Die Preise sind oft erschreckend niedrig. Gemeinsam mit der Plattform NordStellar wurden fast 75.000 Angebote aus dem Dark Web untersucht. Das Ergebnis wirkt wie ein Blick in einen digitalen Flohmarkt. Demnach kostet ein komplettes Paket mit österreichischen Identitätsdaten im Median nur 90 US-Dollar, rund 76,50 Euro.

In solchen sogenannten "Fullz"-Paketen stecken ausreichend Informationen, um Identitätsdiebstahl zu betreiben. Die Preisspanne ist dabei enorm: Sie reicht von 15 US-Dollar bis zu 1.120,77 US-Dollar (13 bis 952,50 Euro). Noch drastischer wird es bei einzelnen Daten. Gestohlene Zahlungskarten aus Österreich sind bereits ab 3,75 US-Dollar (3,20 Euro) zu haben.

Damit liegt Österreich deutlich unter dem europäischen Median von 11,70 US-Dollar (10 Euro). In Deutschland werden im Schnitt 12,68 US-Dollar verlangt, in der Schweiz 13,16 US-Dollar. In Ländern wie Japan mit 27 US-Dollar oder Singapur mit 14,14 US-Dollar sind solche Daten deutlich teurer, weil sie seltener angeboten werden.

Reisepass, Führerschein, Konto – alles hat einen Preis

Auch offizielle Dokumente werden gehandelt. Digitale Kopien österreichischer Reisepässe kosten im Median 35 US-Dollar (30 Euro). Wer ein physisches Dokument will, muss deutlich mehr zahlen: mindestens 450 US-Dollar (382 Euro), in Einzelfällen sogar bis zu 2.500 US-Dollar (2.125 Euro). Ähnlich sieht es bei anderen Ausweisen aus.

Digitale IDs bewegen sich zwischen 10 und 125 US-Dollar (8,50 bis 106 Euro), während echte Dokumente Preise zwischen 628 und 1.897 US-Dollar (534 bis 1.612 Euro) erreichen. Ein digitaler Führerschein liegt im Median ebenfalls bei 35 US-Dollar (30 Euro), kann aber bis zu 125 US-Dollar kosten (106 Euro). Diese Daten sind für Kriminelle besonders interessant, weil sie sich leicht kombinieren lassen. So entsteht Schritt für Schritt eine komplette Identität.

E-Mail-Zugänge öffnen Türen in Firmen

Neben privaten Daten stehen auch berufliche Zugänge hoch im Kurs. Die Experten fanden 101 Angebote mit österreichischen Geschäfts-E-Mail-Konten. Besonders gefragt sind Zugänge zu Microsoft-Diensten wie Microsoft Office 365. Solche Accounts kosten im Median 27,50 US-Dollar (23 Euro).

Der Grund ist einfach: Ein einzelner Zugang kann reichen, um in ein ganzes Firmennetzwerk einzudringen. Laut Analyse zählen europäische Geschäfts-E-Mails zu den am häufigsten angebotenen Daten weltweit. Insgesamt wurden fast 4.400 solcher Konten in Europa entdeckt, mit einem durchschnittlichen Preis von 25,76 US-Dollar (22 Euro).

Streaming, Social Media und Shopping werden zur Ware

Nicht nur sensible Daten landen im Dark Web. Auch Alltagskonten sind gefragt. Ein Zugang zu Netflix kostet im Schnitt 4,55 US-Dollar (4 Euro). Für Spotify werden rund 28 US-Dollar (24 Euro) verlangt. Verkäufer bieten laut Analyse sogar Ersatz an, falls ein Konto gesperrt wird. Bei sozialen Netzwerken liegt Facebook mit rund 38 US-Dollar (32 Euro) im Schnitt vorne und macht etwa 40 Prozent aller Angebote aus.

Ein Zugang kann oft mehrere Dienste gleichzeitig öffnen, etwa verknüpfte Profile oder Werbekonten. Für TikTok werden etwa 60 US-Dollar (51 Euro) verlangt, Snapchat liegt bei rund 34,50 US-Dollar (29 Euro). Selbst Einkaufsplattformen sind betroffen. Ein gestohlenes Konto bei Amazon kostet etwa 50 US-Dollar (42,50 Euro). Kriminelle nutzen vorhandenes Guthaben oder Geschenkkarten, um Waren zu bestellen und weiterzuverkaufen.

Krypto-Konten besonders begehrt

Deutlich höhere Preise erzielen Zugänge zu Kryptobörsen. Ein Konto bei Coinbase kostet im Median 107,50 US-Dollar (91 Euro), bei Binance sind es rund 160 US-Dollar (136 Euro). Anders als bei Kreditkarten können Täter hier direkt auf vorhandenes Geld zugreifen. "Jedes Online-Konto hat im Dark Web seinen Preis", sagt Marijus Briedis, Technikchef bei NordVPN. "Streaming-Abos, E-Mail-Zugänge, Bank-Logins, Social-Media-Profile. Die meisten Menschen wären überrascht, wie wenig es Kriminelle kostet, ihre gesamte digitale Identität zu kaufen."

Er warnt auch davor, dass viele Betroffene den Datenklau gar nicht bemerken. "Viele Menschen glauben, vom Identitätsdiebstahl nicht betroffen zu sein, oder sie merken es erst, wenn es bereits zu spät ist", so Briedis. Persönliche Daten könnten längst im Umlauf sein, ohne dass man es wisse. Schon kleine Auffälligkeiten können ein Hinweis sein. Eine unerwartete Abbuchung oder ein ungewöhnlicher Login sollten ernst genommen werden. Wer mehrere Konten mit demselben Passwort nutzt, macht es Kriminellen besonders leicht.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 20.04.2026, 18:38
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