Scannen und Schreddern

Deshalb kaufen KI-Firmen jetzt deutsche Buchläden leer

Eine neue Bestellwelle sorgt bei deutschen Antiquaren für Aufsehen. KI-Firmen dürften weltweit um Bücher als begehrte Trainingsdaten kämpfen.
Nick Wolfinger
30.08.2026, 18:19
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Kochbücher, Märchen, Sachbücher, Geschichtswerke: Deutsche Antiquare berichten derzeit von ungewöhnlich großen Bestellungen aus Nordamerika. Selbst Ladenhüter, für die sich jahrelang kaum jemand interessiert hat, sind plötzlich gefragt.

Martin Helmut aus Rosenheim erlebte die neue Nachfrage besonders deutlich. "Als ich morgens das Programm öffnete, kamen ungefähr 50 Bestellungen und alle von Zoom Books aus Amerika", berichtete er der ARD.

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Auch Markus Brandis, Vorsitzender des Verbandes deutscher Antiquare, bestätigt die Entwicklung. Einzelne Händler hätten innerhalb weniger Monate sogar Gewinne im sechsstelligen Bereich gemacht. "Das ist schon bemerkenswert."

Angst um seltene Exemplare

Doch die Bestellwelle sorgt auch für Unbehagen. Denn häufig ist für die Händler nicht ersichtlich, wer am Ende hinter den Käufen steckt und was mit den Büchern geschieht.

Die Sorge: Bücher könnten als Rohstoff für das Training Künstlicher Intelligenz dienen und beim Digitalisieren zerstört werden. Das sogenannte destruktive Scannen macht die Verarbeitung großer Mengen besonders effizient: Der Buchrücken wird abgeschnitten, die losen Seiten können anschließend automatisiert durch Scanner gezogen werden.

Gerade bei seltenen oder antiquarischen Werken wäre ein solches Vorgehen unwiederbringlich. Anthropic betont deshalb ausdrücklich, dass im Rahmen seiner eigenen Ankaufprogramme keine seltenen oder antiquarischen Bücher zerstört würden.

Millionen Bücher landeten im Scanner

Wie gewaltig solche Aktionen werden können, zeigte bereits der Fall Anthropic. Durch einen Rechtsstreit wurde bekannt, dass der Claude-Entwickler für sein "Project Panama" Millionen gedruckte Bücher beschaffte und destruktiv scannen ließ.

Dabei wurden die Bücher zerlegt, digitalisiert und die gedruckten Exemplare anschließend entsorgt. Ein US-Richter bewertete dieses Vorgehen bei legal gekauften Büchern im Juni 2025 im konkreten Fall als "Fair Use". Ausgerechnet die Vernichtung des Originals spielte dabei eine Rolle: Statt eines zusätzlichen Exemplars entstand nach dieser Argumentation lediglich eine digitale Version des gekauften Buches.

Wettlauf um Bücher hat begonnen

Umso brisanter sind die aktuellen Bestellungen. Denn offenbar ist ein regelrechter Wettlauf um gedruckte Texte entstanden. International tauchen unterschiedliche Käufer und Projektnamen auf, darunter "Red Sparrow Project" und "Blue Finch Project". In Deutschland sorgt derzeit vor allem Zoom Books für Aufsehen.

Wer hinter den einzelnen Bestellungen steckt und welche Bücher tatsächlich für KI-Unternehmen bestimmt sind, ist vielfach nicht belegt. Klar ist jedoch: Für die Branche sind Texte wertvoll, über die Konkurrenten noch nicht verfügen.

Und beim Digitalisieren riesiger Buchmengen zählt Geschwindigkeit. Bücher Seite für Seite schonend zu scannen, ist teuer und langsam. Beim destruktiven Scannen können dagegen ganze Stapel loser Seiten automatisiert verarbeitet werden.

Der Wettlauf der KI-Giganten macht damit selbst vergessene Ladenhüter plötzlich wertvoll. Für viele Bücher könnte der neue Boom allerdings ausgerechnet bedeuten, dass sie zum letzten Mal verkauft werden.

{title && {title} } NW, {title && {title} } 30.08.2026, 18:19
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