Die neuen Zahlen zum Deutschförderbedarf in Wels, Linz und Traun sorgen für politischen Wirbel. Nachdem klar wurde, dass mehrere Städte in Oberösterreich mehr Kinder mit Deutschdefiziten haben als Wien, liefern sich FPÖ und SPÖ einen heftigen Schlagabtausch.
Für die FPÖ Linz sind die Daten ein Beweis für eine massive Integrationskrise. Der freiheitliche Integrationssprecher Željko Malešević spricht von einem unkontrollierten Zuzug, der Städte, Schulen und Betreuungseinrichtungen überfordere. Es fehle an Geld, Infrastruktur und vor allem an Personal. Kinder mit Deutschdefiziten bräuchten kleinere Klassen mit Schwerpunkt Deutsch, das könnten viele Städte aber kaum mehr stemmen.
Die bisherige Integrationsstrategie sei aus Sicht der FPÖ gescheitert. Malešević betont, Integration sei vor allem eine Bringschuld der Zugewanderten. Ohne Unterstützung der Eltern funktioniere das Erlernen der deutschen Sprache kaum. Viele Kinder würden zu Hause ausschließlich in der Muttersprache sprechen, diese Defizite könnten in der Schule nur schwer aufgeholt werden.
Die Zahlen zeigen eine klare Schieflage: Österreichweit hat zuletzt jedes neunte Volksschulkind Deutschförderbedarf, in Städten liegt der Anteil mit rund 19 Prozent aber deutlich höher als am Land. Spitzenreiter ist Wels mit über 25 Prozent, gefolgt von Traun und Linz mit jeweils 22 Prozent. Damit liegen alle drei Städte sogar vor Wien, wo rund jedes fünfte Volksschulkind als "außerordentlich" gilt. In Steyr beträgt der Anteil 19 Prozent, in Salzburg und Graz jeweils 18, in St. Pölten und Innsbruck 16 Prozent. In absoluten Zahlen führt Wien mit rund 16.600 Kindern mit Deutschförderbedarf, dahinter folgen Linz mit knapp 1.900, Salzburg mit etwa 1.000 sowie Wels und Innsbruck mit jeweils rund 700 Kindern.
In Linz arbeite die Stadt derzeit an einer neuen Integrationsstrategie. Die FPÖ fordert dabei "mehr Druck auf Zugewanderte und Sanktionen bei Integrationsverweigerung". Zudem müsse der Zuzug nach Linz reduziert werden, etwa über Maßnahmen im Sozial- und Wohnbereich.
Ganz anders sieht das die SPÖ. Landeschef Martin Winkler übt scharfe Kritik an Schwarz-Blau und spricht von einer "Schulnote Ungenügend" im Bildungsbereich. Am Beispiel Wels zeige sich, dass die FPÖ keine Lösungen liefere. Bürgermeister Rabl habe vor der Wahl versprochen, die Zuwanderung zu reduzieren.
Tatsächlich sei der Ausländeranteil in Wels aber von 25 auf 35 Prozent gestiegen. Gleichzeitig liege die Stadt nun mit über 25 Prozent "außerordentlichen" Volksschulkindern an der Spitze der Statistik.
Auch die ÖVP bekommt ihr Fett ab. In Traun zeige sich ein ähnliches Bild, kritisiert Winkler. Statt Sachpolitik setze die Volkspartei auf Populismus. Besonders problematisch seien Kürzungen im Integrationsbereich, die die Situation weiter verschärfen würden. Dass nach Wels gleichauf mit Traun das rot regierte Linz folgt, lässt Winkler übrigens unerwähnt.
Zudem nimmt die SPÖ Landesrätin Christine Haberlander ins Visier. Ihr Mega-Ressort Bildung und Gesundheit sei überfordert, so Winkler. Es brauche endlich konstruktive Lösungen statt gegenseitiger Blockaden.