Jahrelang wurde er in den Stadien ausgepfiffen, selbst im Privatleben fand er kaum noch Ruhe. Jetzt spricht der ehemalige deutsche Nationalspieler Timo Werner (30) offen über die dunkelste Zeit seiner Fußballkarriere. Im Podcast "The Late Run" verrät der Stürmer, wie sehr ihn die Anfeindungen der Fans belastet haben.
Alles begann im Dezember 2016. Werner, damals bei RB Leipzig unter Vertrag, versuchte im Bundesliga-Duell gegen Schalke 04 mit einer Schwalbe einen Elfmeter herauszuholen. Die Aktion sollte ihn noch jahrelang verfolgen. "Weil ich einmal eine Schwalbe gemacht habe. Danach waren sie dort jahrelang hinter mir her", erinnert sich der Angreifer.
In den deutschen Stadien wurde Werner fortan gnadenlos ausgepfiffen. Fans dichteten sogar einen beleidigenden Gesang auf ihn. Doch auch sein Wechsel zum FC Chelsea brachte keine Ruhe. "Dort war es ähnlich. Da habe ich ein paar Chancen vergeben und danach hatten sie es auf mich abgesehen", erzählt der 30-Jährige.
Besonders schlimm: Der Hass verfolgte Werner bis ins Privatleben. Er habe sich kaum in Ruhe in einer Stadt bewegen können. "Ich habe in meiner Karriere viel Scheiße erlebt. Auch in Deutschland musste ich viel Scheiße durchmachen", sagt der Ex-DFB-Star. Irgendwann habe er sich zu Hause gefragt: "Was zur Hölle? Egal in welches Stadion ich komme, überall werde ich ausgebuht." Sein erschütterndes Geständnis: "Ich saß zu Hause und war wirklich, wirklich am Boden."
Trotz der enormen Belastung dachte Werner nicht ans Aufgeben. "Ich habe immer weitergemacht, ich habe nie das Handtuch geworfen", betont er. Immer wieder sei er auf den Rasen zurückgekehrt, obwohl ihm bewusst gewesen sei, dass ihn "60.000 oder 70.000 Leute" ausbuhen würden. "Ich habe all diese schweren Momente überstanden, um am Ende noch schönere Erlebnisse zu haben."
Sportlich gelang dem Angreifer tatsächlich die Wende. In der Saison 2019/20 erzielte er 28 Bundesliga-Tore für Leipzig, 2021 gewann er mit Chelsea die Champions League. Für Deutschland absolvierte Werner 57 Länderspiele und traf 24-mal. Mittlerweile kickt der 30-Jährige bei den San Jose Earthquakes in der MLS.