Christian Jauk macht Ansage

"Ist beängstigend" – Banken-Chef lässt aufhorchen

Grawe-Chef Christian Jauk rechnet mit einer steigenden Inflation und möglichen Zinserhöhungen. Was jetzt auf Österreich alles zukommt.
André Wilding
29.03.2026, 07:00
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Die Teuerung dürfte wieder anziehen - und das könnte für viele noch mehr spürbar werden. Christian Jauk, Chef der Grawe-Bankengruppe, rechnet in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" jedenfalls mit einer steigenden Inflation: "Die Prognoseunsicherheit ist hoch, aber sie wird ohne Zweifel ansteigen."

Ein wesentlicher Treiber seien steigende Energiepreise, die direkt im Alltag ankommen. Die Folgen: höhere Zinsen, weniger Investitionen und Druck auf den Arbeitsmarkt. Auch die Europäische Zentralbank könnte laut Jauk reagieren.

"Die Finanzmärkte erwarten zumindest zwei Zinserhöhungen, das ist eingepreist. Die Hauptaufgabe einer Notenbank ist die Geldwertstabilität und damit hat die Inflationsbekämpfung Priorität gegenüber einer Konjunkturbelebung", stellt der Banken-Chef in der "Kleinen Zeitung klar."

Angespannte Lage

Wie viele Erhöhungen aber tatsächlich kommen, hänge "von der Entwicklung im Nahen Osten" ab. Die wirtschaftliche Lage in Österreich sieht er jedenfalls kritisch. Der Aufschwung sei schwach gewesen und nicht von Reformen getragen. Gleichzeitig belasten hohe Energie- und Rohstoffpreise Unternehmen und Haushalte.

"Eine höhere Inflation und ein niedriges Wachstum bringen Wohlstands- und Kaufkraftverluste", erklärt Jauk gegenüber der Tageszeitung. Zusätzliche Unsicherheit komme von internationalen Krisen. Die Auswirkungen geopolitischer Konflikte würden die Märkte stark schwanken lassen.

"Nicht alles, was von der US-Politik angedroht wurde, ist eingetreten. Die aktuellen wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges bringen starke Schwankungen mit sich, die andauern werden. Nicht zu unterschätzen ist der neue 5-Jahresplan Chinas, der sich gegen die europäische Industrie richtet", sagt der Banken-Chef im Interview mit der "Kleinen Zeitung".

Hohe Staatsquote

Auch Österreichs Standort stehe unter Druck. Christian Jauk: "Die USA und Asien haben die EU wirtschaftlich abgehängt und in Europa gehört Österreich zu den Schlusslichtern. Der private, wohlstandserzeugende Sektor wird immer kleiner, der Staat im Gegenzug immer größer und teurer.

Besonders kritisch sieht der Banken-Chef die hohe Staatsquote. "Die Staatsquote von 56 Prozent ist beängstigend, weil der Mensch damit immer stärker zum Bittsteller bei Politik und Bürokratie wird", stellt Jauk in der "Kleinen Zeitung" klar.

Und weiter: "Wir haben exzellente Unternehmen, hervorragende Fachkräfte, gute Bildungseinrichtungen und vieles mehr, wo es sich lohnen würde, ihnen mehr Eigenverantwortung und Kompetenz zuzutrauen, ohne sie von früh bis spät mit Regeln zu überfordern. Wettbewerbsfähigkeit verlangt tiefgreifende Reformen und den Mut zu mehr Freiheit."

"Emotion ist ein schlechter Ratgeber"

Für Anleger hat Jauk jedenfalls einen klaren Rat: "Emotion ist ein schlechter Ratgeber. Bevor man Geld investiert, sollte man auf jeden Fall die Zielsetzung definieren und den Risikoappetit an die finanzielle Situation anpassen."

Trotz der angespannten Lage konnte die Grawe-Bankengruppe zuletzt zulegen. Das Ergebnis nach Steuern stieg auf 71,3 Millionen Euro. Auch das Geschäft mit Wertpapieren entwickelte sich positiv, immer mehr Menschen investieren für ihre Pension.

{title && {title} } wil, {title && {title} } Akt. 29.03.2026, 07:20, 29.03.2026, 07:00
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