Eine ganze Reihe an Staaten – von der Türkei über Moldau bis nach Island – hat derzeit den Status als EU-Beitrittskandidat. Einige davon hätten die meisten Voraussetzungen schon längst erfüllt, einige arbeiten emsig daran, bei wieder anderen ist ein Beitritt in weiter Ferne.
Kriege, Teuerung, Donald Trumps Annexionswünsche – all das sind Faktoren, die selbst reiche Länder, die bisher auch ohne die EU gut zurechtkamen, mit einer Mitgliedschaft liebäugeln lassen. Die beiden wichtigsten Kandidaten sind Norwegen und Island. Und wie eine Umfrage von Market für die Österreichische Gesellschaft für Europapolitik zeigt, würden auch die Österreicher das unterstützen.
Im Fall von Norwegen geben 62 Prozent an, dass sie einen Beitritt begrüßen würden. Nur acht Prozent sind klar dagegen. Auch bei Island würden 57 Prozent einen Beitritt befürworten und nur acht Prozent ablehnen. Dem Rest ist es jeweils "egal" oder wollte "keine Angabe" machen.
"Während die Aufnahme der Staaten des Westbalkans, der Ukraine und der Republik Moldau hierzulande bis dato auf wenig Gegenliebe stößt, würde eine solche Nord-Erweiterung der Europäischen Union durchaus ihre Freunde finden", kommentiert ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt.
Schon im Sommer wird die Debatte wohl ordentlich Fahrt aufnehmen. Islands Bevölkerung stimmt im August darüber ab, ob die Beitrittsverhandlungen mit der EU wieder aufgenommen werden sollen. Das Thema wird in Folge wohl auch auf Norwegen, das bereits Teil des Binnenmarkts ist, diskutiert werden.
"Und auch Grönland, das ein autonomer Bestandteil des Königreichs Dänemark ist und bis 1985 Teil der damaligen EG war, könnte als Folge der geopolitischen Begehrlichkeiten aus Washington auch wieder eine Rückkehr in Betracht ziehen", analysiert Schmidt.
Die aktuelle Umfrage wurde von market von 23. bis 24. März 2026 im Auftrag der ÖGfE durchgeführt. Befragt wurden österreichweit 1000 Personen online, österreichische Bevölkerung, 16 bis 80 Jahre, repräsentativ für Alter, Geschlecht, Region und Bildung. Maximale statistische Schwankungsbreite +/- 3,16 Prozent. Differenz auf 100 Prozent aufgrund gerundeter Werte. Fehlende Werte auf 100 Prozent = "weiß nicht / keine Angabe".
"Die positive Stimmung gegenüber einer EU-Beitrittsrunde im Norden Europas ist wenig überraschend. Es wären schließlich bevölkerungsmäßig kleine und vor allem wohlhabende Länder, die zur EU stoßen würden", so Schmidt. "Ein Zuwachs aus dem Norden könnte in verhältnismäßig kurzer Zeit umgesetzt werden, würde sich jedenfalls deutlich positiv auf die politische, wirtschaftliche und strategische Position der EU auswirken und könnte auch dem Aufnahmeprozess der aktuellen Kandidatenländer neuen Schwung verleihen."