Stimmtrainerin gibt den Ton an

Diese Wienerin verhilft trans-Personen zur Wunschstimme

Höher, tiefer, oder genderneutral? Wollen trans Personen ihre Stimme verändern, werden sie von der Wiener Trainerin Monika Lämmerer betreut.
01.11.2026, 07:15
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"Mit 2,5 Jahren konnte schon ich die Singstimme halten, wenn jemand anderer eine zweite Stimme dazu gesungen hat", erinnert sich Monika Lämmerer zurück. Seit die Wienerin denken kann, ist das Thema Stimme in ihrem Leben präsent. Sie sang in Chören, absolvierte zahlreiche Ausbildungen (darunter auch eine am Schubert Konservatorium), war als Solistin tätig und ist nun als Stimmtrainerin mit ihrem Unternehmen "voice & vision" selbstständig.

"Ich stelle keine unangenehmen Fragen"

In Meidling bietet sie Stimm- und Sprechtraining sowie Coaching zur Stärkung kommunikativer Fähigkeiten an. Bei den Trainings werden auch gesangstechnische Übungen eingesetzt. Ein Teil ihrer Arbeit ist, queere Personen und insbesondere trans Personen mit ihrer Stimme zu unterstützen. "Ich habe gesehen, dass diese Menschen immer benachteiligt sind. Sie haben aber dieselben Bedürfnisse wie alle, brauchen genauso Stimmtraining, etwa für Bewerbungen", erklärt die 58-jährige ihre Beweggründe. "Bei mir werden sie nicht komisch angesehen und ich stelle keine unangenehmen Fragen."

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Lediglich eine persönliche Frage werde zu Beginn geklärt: Steht die Person am Anfang oder Ende ihrer Transition (Anm.: Prozess, bei dem eine Person ihr Leben schrittweise an ihre Geschlechtsidentität anpasst). So kann die Expertin einschätzen, ob sich die Stimme noch weiter verändern wird. "Trans Personen bekommen Hormone, dadurch entsteht ein Stimmwechsel wie in der Pubertät, der sich durch Heiserkeit, Kieksen, Halskratzen oder ein belegtes Gefühl äußern kann", erklärt Lämmerer, die auch eine Diversity-Ausbildung absolvierte. Gezielte Stimmübungen sollen dabei helfen, diese Symptome zu lindern.

"Stimme ist Persönlichkeit"

Aber auch auf andere Wünsche geht die Trainerin ein: "Das ist ganz unterschiedlich. Manche trans Männer möchten gar keine hohe Stimme mehr. Andere freuen sich, wenn sie gewisse Töne erhalten können. Ich lasse sie erzählen, schaue mir die Indifferenzlage der Stimme an, also die Lage, in der die Person üblicherweise spricht, und wie weit hinauf oder hinunter die Stimme geht." Besonders wichtig ist ihr dabei, abgesehen vom Spaß, das Annehmen der Person: "Bei mir darf jeder Mensch so sein, wie er ist."

Denn die Stimme ist für viele trans Personen ein besonders wichtiges Thema: "Persönlichkeit wird nicht nur durch Kleidung oder Frisur zum Ausdruck gebracht, sondern auch durch die Stimme. Sie begleitet uns den ganzen Tag und wenn wir nicht zufrieden damit sind, entstehen Probleme in Beruf und Privatleben", so Lämmerer.

"Will niemandem schaden"

Alle Wünsche könne sie jedoch nicht erfüllen, betont die Expertin. "Wenn jemand keine Hormone nehmen möchte, aber eine Oktave tiefer sprechen, ist das einfach nicht möglich." Vor der Beratung werden übrigens auch medizinische Probleme abgeklärt: "Ich frage, ob die Person gesund ist und das Training machen darf. Bei manchen Problemen bedarf es einfach eines Facharztes oder Logopädie und diese Ausbildungen habe ich nicht. Ich will ja niemandem schaden."

Zu Lämmerers Kunden gehört auch Alex. Die 36-jährige, non binäre Person, erinnert sich an einen längeren Prozess des Auseinandersetzen mit der Identität. "Ich hatte sehr viel Glück. Die überwiegende Mehrheit hatte nie ein Problem, mich mit meinem neuen Vornamen anzusprechen", so Alex. Das Ziel: eine etwas tiefere Stimme mit angenehmem Klang. Mit dem Ergebnis ist die Person sehr zufrieden. Und vor allem: "Monika hat mich so angenommen, wie ich bin."

"Schauen wir auf das, was uns verbindet"

Die Nachfrage an Stimmtrainings steige, obwohl zu beobachten ist, dass die Leute sparen müssen, beobachtet die Wienerin. Besonders im Bereich Präsentationstraining seien die Kurse gefragt. "Unsere Stimme ist die Grundlage für Sprechen und Singen. Je mehr Töne wir im Umfang haben, umso interessanter können wir das Gesprochene gestalten."

Für die Zukunft wünscht sich Lämmerer mehr Offenheit gegenüber trans und non binären Menschen, aber auch umgekehrt. "Schauen wir auf das, was uns verbindet und nicht auf das, was uns trennt!"

ym, 01.11.2026, 07:15