Der Griff zum Zapfhahn schmerzt. Dieselpreise von über zwei Euro sind derzeit normal, eine schnelle Entspannung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Walter Boltz, ehemaliger Chef der E-Control, rechnet mit weiteren Preissprüngen.
"Die Preise werden mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit noch deutlich steigen", sagte Boltz am Donnerstag in der "ZiB 2". Und dann: "Ich schätze, 20 bis 30 Prozent Steigerung ist schon noch drinnen."
Der Preistreiber laut dem Experten sei der Wettbewerb zwischen Europa und Asien um die kostbaren Treibstoffe. Boltz: "Europa wird einfach mehr zahlen müssen."
Damit könnten an den Tankstellen Preise erreicht werden, die für Autofahrer noch vor kurzer Zeit kaum vorstellbar waren. Ein Liter Super für mehr als zwei Euro und Diesel um mehr als 2,50 Euro würde ihn "nicht überraschen", sagte Boltz.

Nicht nur Autofahrer müssen sich auf hohe Kosten einstellen. Laut den Informationen ist auch der Gaspreis auf den höchsten Stand seit drei Jahren geklettert. Boltz führt das unter anderem auf riskantere Flüssiggastransporte durch die Straße von Hormus und niedrige Speicherstände in Deutschland zurück.
Für Österreich sieht er bei der Versorgung allerdings keinen Grund zur Panik: "Wir haben große Speicher, und in Österreich wird es ziemlich sicher keinerlei technischen Engpass an Gas geben."
Anders beurteilt er die Situation in Deutschland. Dort seien die Speicherstände "teilweise um 50 Prozent und weniger", erklärte Boltz. "Inzwischen weiß auch die Regierung nicht so genau, was sie da tun soll."
Auf die Frage, ob ein teurer Winter beim Heizen drohe, antwortete Boltz: "Ich denke schon."
Die Entwicklung auf den internationalen Märkten verschärft die Lage zusätzlich. Der Preis für ein Barrel der Nordsee-Sorte Brent stieg um ein Prozent auf 108,68 Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI verteuerte sich ebenfalls um ein Prozent auf 103,45 Dollar. Beide Sorten steuerten damit auf ein Wochenplus von fast 13 Prozent zu.
Hintergrund sind zunehmende Angriffe entlang wichtiger Schifffahrtsrouten im Nahen Osten. Die mit dem Iran verbündeten Huthi-Rebellen übernahmen die Kontrolle über den jemenitischen Hafen Mokka. Gleichzeitig nahmen die Angriffe auf Tanker in der Straße von Hormus zu.
Auch US-Präsident Donald Trump warnte, die USA könnten die iranische Berganlage Pickaxe nahe der schwer beschädigten Urananreicherungsanlage Natans angreifen. Der Krieg werde nach den Zwischenwahlen im November enden, sagte Trump.