Kaum hat das neue Schuljahr begonnen, gibt es in Wien bereits erste Auseinandersetzungen rund um das Kopftuchverbot für Mädchen bis 14 Jahre. Während die erste Unterrichtswoche im Burgenland und in Niederösterreich laut Gewerkschaft weitgehend ruhig verlief, melden Wiener Pflichtschulen einzelne Problemfälle.
Auch die Gleichbehandlungsanwaltschaft beschäftigt sich bereits mit dem Thema. Dort gingen Meldungen über rassistische Übergriffe an Schulen ein.
Thomas Krebs (FCG), Vizevorsitzender im Zentralausschuss der Wiener Landeslehrer, berichtet von einer Blitzumfrage unter den 550 Volks-, Mittel- und Sonderschulen. Dabei seien "flächendeckend" zumindest einzelne Problemfälle gemeldet worden.
Konflikte gebe es bereits in Volksschulen, häufiger seien sie allerdings in der Sekundarstufe. Schon am Dienstag und Mittwoch wurden laut Krebs zahlreiche Mädchen gemeinsam mit ihren Eltern zu Gesprächen in die Direktionen gebeten. Grund dafür war, dass die Mädchen ihre Kopftücher trotz Aufforderung einer Lehrkraft nicht ablegen wollten.
Etwa die Hälfte der bisher gemeldeten Fälle konnte laut den Rückmeldungen bei diesen Gesprächen geklärt werden. Teilweise hatten Eltern ihre Töchter demnach aus Unwissenheit weiterhin mit Kopftuch in die Schule geschickt.
Lenkten Eltern oder Mädchen nicht ein, wurde der jeweilige Fall an die Bildungsdirektion weitergegeben. Bei weiteren Verstößen können Eltern auch mehrfach mit Verwaltungsstrafen von bis zu 800 Euro belegt werden.
Krebs sieht damit allerdings nicht alle Probleme gelöst. Wenn Mädchen trotz des gesetzlichen Verbots weiterhin mit Kopftuch im Unterricht sitzen, führe das zu Unruhe im Schulbetrieb.
An den Wiener Gymnasien spielen Verstöße gegen das Verbot nach bisherigem Stand eine deutlich geringere Rolle. Einzelne Fälle könne es zwar auch dort geben. Irini Tzaferis (FSG) aus der AHS-Bundesvertretung geht jedoch davon aus, dass die "Aufklärungsphase" der vergangenen Monate Wirkung gezeigt hat.
Aus ihrer Sicht liegt die größere Herausforderung beim Schutz von Mädchen vor Fremdbestimmung ohnehin an anderer Stelle.
"Wir haben da nicht nur islamistisch angehauchte Burschen, sondern auch Burschen, die sich in der sogenannten Manosphere (frauenverachtende Online-Netzwerke, Anm.) wohlfühlen oder die zum Rechtsextremismus tendieren."
Dagegen brauche es laut Tzaferis "ein ordentliches Maßnahmenpaket".
Unterdessen verzeichnet die Gleichbehandlungsanwaltschaft mehr Anfragen bei Rechtsberatung und Hotline sowie Meldungen über rassistische Diskriminierung an Schulen.
Nach den dort eingegangenen Berichten soll das Kopftuchverbot teilweise "überschießend" umgesetzt worden sein. Mädchen, die ihr Kopftuch nach einem Gespräch mit einer Lehrkraft nicht ablegten, sollen etwa auf den Gang geschickt worden sein. Andere hätten gemeinsam vor der Direktion warten müssen, bis ihre Eltern sie abholten.
Besonders schwer wiegt eine weitere Schilderung: Einem Mädchen soll gesagt worden sein, dass es "Österreich verlassen muss", falls es sich weiterhin verhüllt.
Die Gleichbehandlungsanwaltschaft hält fest, dass Schulen das Kopftuchverbot umsetzen müssen. Dabei dürfe es allerdings nicht zu rassistischer Diskriminierung der betroffenen Mädchen kommen.