Wenige Tage vor dem Start des Kopftuchverbots an Schulen machen dessen Gegner mobil. Im Netz werden Tipps verbreitet, wie sich die neuen Regeln umgehen oder ihre Umsetzung verzögern lassen. Für September sind zudem eigene Seminare zum Boykott angekündigt, wie die "Krone" berichtet.
Dabei werden auch Lehrer angesprochen. Ihnen wird etwa geraten, sich auf die Gewissensfreiheit zu berufen. "Mädchen zu zwingen, das Kopftuch abzunehmen, würde für Euch als Lehrperson zu einem unüberwindbaren Gewissenskonflikt führen", heißt es in einer Anleitung.
Die Gegner bezeichnen das Verbot als "rassistisch, sexistisch und verfassungsfeindlich". Seminare dazu sind für den 3. und 23. September ausgeschrieben und sollen auch online stattfinden. Für den 9. Oktober ist eine Demonstration geplant.
Auch muslimische Influencer stellen sich im Netz gegen das Gesetz und die Politiker, die es umgesetzt haben. Bereits seit einiger Zeit wird das Thema zudem von Kräften aus dem Spektrum des politischen Islam aufgegriffen, um gegen das Verbot Stimmung zu machen.
Integrationsministerin Claudia Bauer verweist darauf, dass Schülerinnen, Eltern und Lehrer seit Jahresbeginn über die Regelung informiert worden seien, "nun werden Verstöße auch sanktioniert".
"Ab der Religionsmündigkeit mit 14 Jahren kann jedes Mädchen selbst entscheiden, ob es ein Kopftuch tragen möchte oder nicht. Davor stellt das neue Gesetz sicher, dass kein Mädchen unter familiärem, religiösem oder sozialem Druck in eine Rolle gedrängt wird, die es noch gar nicht selbstbestimmt wählen kann."
In der Regierung geht man dennoch nicht davon aus, dass es zu flächendeckendem Widerstand kommt. Bei einem Termin zum Beginn der Sommerschule am Montag nahmen drei Mädchen freiwillig ihr Kopftuch ab – obwohl das Verbot erst ab 7. September gilt.
Bildungsminister Christoph Wiederkehr kündigt eine konsequente Umsetzung an. "Wir leben in einem Rechtsstaat und wir müssen alle Gesetze einhalten." Bei bewussten Verstößen drohen bis zu 800 Euro Strafe – und das wiederholt. "Man kann sich hier auch nicht freikaufen."