Für Iman wird der Start ins neue Schuljahr anders als bisher. Die Zwölfjährige aus Salzburg besucht ab Herbst die dritte Klasse eines Gymnasiums in Hallein und muss sich mit dem Kopftuchverbot an Schulen auseinandersetzen. Für die Schülerin ist das besonders schwierig, weil sie ihre Kopfbedeckung nach eigenen Angaben gerne trägt.
Als sie erstmals von der geplanten Regelung hörte, hielt sie die Nachricht zunächst für falsch. "Österreich ist ja ein demokratisches Land. Ich dachte erst an eine Falschmeldung, auf Social Media gibt es das ja oft", sagt sie im Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten" (Anm. kurz "SN").
Doch auch in ihrer Familie und unter ihren Freundinnen wurde das Thema diskutiert. "Dann musste ich es glauben. Aber in meinem Herzen kann ich es nicht akzeptieren", stellt sie gegenüber der Tageszeitung klar.
Iman erzählt, dass sie bereits als Volksschülerin ein Kopftuch tragen wollte. Ihre Mutter habe ihr damals geraten, noch bis zum Wechsel in die nächste Schulstufe zu warten.
Vor ihrem Start im Gymnasium war es dann so weit. "Es war für mich ein ganz anderes Gefühl, auf jeden Fall ein positives. Ich wollte schon immer Kopftuch tragen", sagt Iman im Interview mit den "SN".
Bereits im vergangenen Schuljahr wurde das Verbot im Unterricht angesprochen. Als ein Lehrer das neue Gesetz erwähnte, hätten sich plötzlich ihre Mitschüler zu ihr gedreht. "Das war mir richtig unangenehm. Ich habe überhaupt nicht verstanden, warum ich etwas absetzen soll, an das ich schon so gewöhnt bin", wird die 12-Jährige in dem Bericht zitiert.
Nach Angaben der Zwölfjährigen reagierte die Schule auf die Situation. Vier betroffene Schülerinnen hätten mit dem Direktor und einem Vertrauenslehrer darüber gesprochen. "Sie haben uns zu verstehen gegeben, dass wir die Situation positiv aufnehmen sollen und dass die Lehrer für uns da sind", sagt Iman zu den "Salzburger Nachrichten".
Auch bei Anfeindungen oder Mobbing sei Unterstützung zugesagt worden. Eine Frage beschäftigt Iman aber weiterhin: "Aber niemand in der Schule hat mir erklären können, warum das neue Gesetz nur den Islam betrifft und keine andere Religion."
Iman geht nach eigenen Angaben gerne zur Schule und lernt gerne. Trotzdem blickt sie dem Herbst diesmal mit gemischten Gefühlen entgegen.
"Ich lerne gern. Aber im Herbst wird das eine andere Situation für mich sein. In unserer Klasse ist sehr viel Energie. Ich weiß, dass ich alle Reaktionen ignorieren und mich auf die Schule konzentrieren muss", erklärt sie im Gespräch mit den "SN".
Iman wurde in Salzburg geboren. Ihre Familie kam in den 1990er-Jahren aus Bosnien nach Österreich. Ihre Mutter Mirela und ihre ältere Schwester tragen ebenfalls Kopftuch.
Die Zwölfjährige habe die Diskussion um das Verbot stark beschäftigt, erzählt ihre Mutter. "Sie hat zu mir gesagt: Mama, wenn ich das Kopftuch heruntergebe, dann geht auch ein Stück von mir herunter", erzählt die Frau den "Salzburger Nachrichten".
Auch die Mutter führte ein Gespräch mit dem Direktor. "Er hat uns Tipps gegeben und Vorschläge gemacht. Ein Stirnband darf sie etwa tragen. Aber alles, was in Richtung Kopfbedeckung geht, das geht nicht."
Für die Familie sei das Kopftuch eng mit der eigenen Identität verbunden. "Für uns ist das nicht nur ein Stück Stoff. Das ist unsere Identität. Wir können nicht verstehen, dass wir nicht so akzeptiert werden, wie wir sind", heißt es im Bericht der "SN".
Die Mutter betont gleichzeitig, dass sie auch akzeptiert hätte, wenn ihre Töchter kein Kopftuch hätten tragen wollen. Das sei im Islam keine Pflicht. "Aber es war ja immer ihr Wunsch."
Die politische Begründung mit dem Kindeswohl überzeugt Mirela nicht. Sie habe bei ihrer Tochter vielmehr Veränderungen bemerkt. "Seit Iman davon erfahren hat, hat sie sich mehr und mehr zurückgezogen, war viel mit sich selbst beschäftigt."
Um ihre Gedanken zu verarbeiten, begann Iman auf Anraten ihrer Mutter mit einem Tagebuch. "Das ist für mich, wie wenn ich mit einer anderen Person rede. Es hilft mir, mit der Situation umzugehen", erklärt das junge Mädchen gegenüber den "SN".
Noch weiß die Zwölfjährige nicht, wie sie ihren ersten Schultag gestalten wird. "Darüber muss ich erst nachdenken. Das ist sehr schwer für mich."