Aufregung um die Kleiderordnung im Salzburger Hotel Cool Mama: Zwei indische Sikh werfen dem Hotelmanagement Diskriminierung und Rassismus vor, das berichten die Salzburger Nachrichten (SN). Grund ist ein Verbot von Kopfbedeckungen im Sky-Restaurant, das auch für Turbane gilt.
Die beiden Männer schildern auf Instagram, dass sie mit ihren Turbanen nicht ins Restaurant durften. Finanzanalyst Jaspreet Singh, dem auf Instagram mehr als 210.000 Menschen folgen, kritisiert: "Auch unserer Bitte um Rückerstattung des Geldes wurde nicht entsprochen." Er reise in sehr viele Länder, aber "derartigen Rassismus habe ich noch nie erlebt", so die SN.
Das vor dem Hotel aufgenommene Video wurde bereits rund 3.000 Mal kommentiert. Auch die indische Nachrichtenplattform Firstpost berichtete ausführlich über den Fall. "Turban nicht erlaubt, Sikhs erfahren Rassismus", lautete die Schlagzeile.
Das Hotel war bereits zuvor wegen seiner Kleiderordnung in die Kritik geraten, "Heute" berichtete. In den vergangenen Monaten wurden mehrere Fälle öffentlich, bei denen muslimischen Frauen mit Kopftuch der Zutritt zum Frühstücksbuffet im Restaurant verwehrt wurde. Das Verbot gilt allerdings nur im Restaurant, nicht für Übernachtungen im Hotel.
Das Hotelmanagement weist die Vorwürfe zurück. Der seit zwei Jahren bestehende Dresscode ziele nicht auf religiöse Kopfbedeckungen ab, sondern gelte für sämtliche Kopfbedeckungen und alle Gäste gleichermaßen. "Sikhs mit Turban können ohne Einschränkungen unser Hotel besuchen und buchen."
Grund für die Regel seien unter anderem Erfahrungen mit Hauben, Kapuzen, Hüten, Krönchen und Schleiern bei Polterabenden gewesen. Auch Trainingsanzüge, Jogginghosen und Muskelshirts seien im Restaurant verboten.
Eine Ausnahme für bestimmte Personen oder Gruppen lehnt das Hotel ab: "Die Forderung nach einer Ausnahme durch einzelne Personen oder Gruppen würde eine Ungleichbehandlung gegenüber allen anderen Gästen darstellen, für die es keine sachliche Grundlage gibt."
Mittlerweile beschäftigt der Fall auch die Sikh-Glaubensgemeinschaft in Salzburg und den österreichischen Dachverband. In Österreich leben nach Angaben des Salzburger Sprechers Gurinder Singh rund 20.000 Sikh, davon 1.500 bis 2.000 in Salzburg.
Die Sikh Glaubensgemeinschaft Österreich betont in einer Stellungnahme laut SN: "Wir respektieren das Recht jedes Unternehmens, eigene Hausregeln und Dresscodes festzulegen. Gleichzeitig möchten wir darauf aufmerksam machen, dass der Sikh-Turban keine gewöhnliche Kopfbedeckung, sondern ein wesentlicher Bestandteil der religiösen Identität praktizierender Sikh ist."
Der Verband lädt die Verantwortlichen des Hotels zu einem offenen Austausch ein. Auch Gurinder Singh erklärt, der Turban sei "integraler Bestandteil unserer Identität".
Für Sikh hat der Turban neben der religiösen auch eine spirituelle Bedeutung. "Ich binde den Turban gleich in der Früh nach dem Zähneputzen, durch dieses Ritual nehme ich unsere Werte und unsere Denkweise mit hinein in den Tag", erklärt Gurinder Singh.