"Es war ein wunderschöner Herbsttag, der Himmel war ganz klar und blau", sagt Bruno Freytag, damals Wirtschaftsdelegierter in New York, über den 11. September 2001. Wie gewohnt fuhr er in sein Büro. Noch deutete nichts darauf hin, dass sich innerhalb weniger Minuten die Welt verändern würde.
Kurz vor 9 Uhr stürmte ein Kollege in sein Büro und berichtete, dass ein Flugzeug in das World Trade Center geflogen sei. Freytag ging zum Fenster, von seinem Büro hatte er Blick auf die beiden Türme.
"Zuerst hat es gar nicht so spektakulär ausgesehen. Ich dachte, es ist vielleicht ein Kleinflugzeug", sagt der Kärntner, den "Heute" in Athen erreicht.
Sofort erreichten ihn die ersten besorgten Anrufe aus Österreich. Im Büro lief inzwischen der Fernseher: "Auf einmal sehe ich, wie das zweite Flugzeug hineingeflogen ist. Das habe ich live gesehen."
Vom Fenster aus verfolgte der Wirtschaftsdelegierte wenig später den Einsturz eines der Türme. "Mein erster Gedanke war: Die armen Menschen. Man ist nur sprachlos", erinnert sich Freytag im Gespräch mit "Heute". Gespenstisch: "Auf einmal ist die bekannte Skyline verändert."
Im Büro begann sofort der Stress. Freytag und seine Kollegen überprüften, ob österreichische Firmen im World Trade Center untergebracht waren, "es waren zum Glück keine." Solange die Telefonverbindungen funktionierten, wurde mit Österreich telefoniert. Man war auf das Schlimmste gefasst, niemand wusste, was als Nächstes passieren würde.
In den Tagen danach erkannte Freytag seine Stadt kaum wieder: "Es war richtig gespenstisch. Es gab keinen Verkehr, Manhattan war abgesperrt. Die Asche wurde Richtung Uptown geweht. Die Straßen waren grau und mit Asche bedeckt."
Auch nach dem 11. September blieb die Katastrophe für ihn jeden Tag sichtbar: "Von meiner Wohnung aus habe ich monatelang diese Rauchsäule gesehen. Es gab permanent klares Wetter, man hat sie immer gesehen."
25 Jahre später ist für Freytag klar, dass er an diesem Morgen Zeuge eines historischen Einschnitts wurde: "Das war Geschichte, die man erlebt hat. Und natürlich hat sich die Welt verändert."