Er galt als musikalisches Ausnahmetalent und war selbst im hohen Alter noch regelmäßig auf internationalen Konzertbühnen zu erleben. Jetzt ist Herbert Blomstedt tot. Der schwedische Dirigent starb am Mittwoch in seinem Zuhause in Göteborg. Wie das Leipziger Gewandhaus unter Berufung auf seine Agentur mitteilte, verbrachte der 99-Jährige seine letzten Stunden im Kreis seiner Familie.
Mit Blomstedt verliert die klassische Musikwelt einen ihrer bedeutendsten Dirigenten. Mehr als sieben Jahrzehnte lang stand er am Pult und arbeitete mit einigen der renommiertesten Orchester der Welt zusammen.
Besonders traurig: Am 11. Juli 2027 hätte Herbert Blomstedt seinen 100. Geburtstag gefeiert. Für diesen außergewöhnlichen Meilenstein hatte das Leipziger Gewandhaus bereits ein großes Konzert geplant. Der Dirigent sollte höchstpersönlich Anton Bruckners fünfte Sinfonie leiten.
Noch im vergangenen Jahr und auch Anfang 2026 war Blomstedt regelmäßig auf der Bühne zu erleben. Seine enorme Energie und seine Leidenschaft für die Musik machten ihn zu einer Ausnahmeerscheinung. Während viele seiner Kollegen längst ihren Ruhestand genossen, reiste er weiterhin um die Welt, um mit internationalen Spitzenorchestern zu arbeiten.
Doch zuletzt machte ihm seine Gesundheit zunehmend zu schaffen.
Im Mai 2026 stand Blomstedt in San Francisco zum letzten Mal auf der Bühne. Bei einer Aufführung von Gustav Mahlers neunter Sinfonie erlitt der damals 98-Jährige einen Schwächeanfall. Das Konzert musste zwischenzeitlich unterbrochen werden.
In den darauffolgenden Monaten sagte der Dirigent mehrere geplante Auftritte ab. Auch Konzerte im Leipziger Gewandhaus im September konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht stattfinden.
Trotzdem blieb die Hoffnung, dass der Musiker noch einmal auf die Bühne zurückkehren könnte. Für 2027 waren weitere Konzerte vorgesehen, darunter auch sein großer Geburtstagsauftritt.
Dazu wird es nun nicht mehr kommen.
Herbert Blomstedt wurde am 11. Juli 1927 im US-amerikanischen Springfield als Sohn schwedischer Eltern geboren. Seine musikalische Ausbildung absolvierte er unter anderem in Stockholm und Uppsala. 1954 gab er sein Debüt als Dirigent bei den Stockholmer Philharmonikern.
Es folgte eine außergewöhnliche internationale Karriere. Blomstedt leitete unter anderem die Staatskapelle Dresden, das San Francisco Symphony Orchestra und das berühmte Gewandhausorchester in Leipzig.
Auch mit Österreich war der Musiker eng verbunden. Besonders die Werke von Anton Bruckner gehörten zu seinem Repertoire. 2024 dirigierte er anlässlich seines 97. Geburtstags Bruckners neunte Sinfonie in der Stiftsbasilika St. Florian in Oberösterreich.
Seit 2019 war Blomstedt außerdem Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker – eine besondere Auszeichnung für seine jahrzehntelange Zusammenarbeit mit dem Orchester.
Dass er selbst im hohen Alter noch auf der Bühne stand, erklärte Blomstedt einst mit seiner ungebrochenen Begeisterung für die Musik.
"Musik hält mich jung", sagte er 2020 in einem Interview mit dem Klassikportal "Bachtrack".
Seine Neugier habe er sich bis ins hohe Alter bewahrt. Trotz seiner jahrzehntelangen Erfahrung betonte der Dirigent immer wieder, wie viel es in der Musik noch zu entdecken gebe.
Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit zwei Grammy Awards. Noch 2026 erhielt er den renommierten japanischen Praemium Imperiale.
Mit Herbert Blomstedt ist nun einer der letzten großen Dirigenten seiner Generation verstorben. Sein musikalisches Vermächtnis bleibt in zahlreichen Aufnahmen und den Erinnerungen unzähliger Konzertbesucher erhalten.