Die anhaltende Hitze und Trockenheit in Mitteleuropa sorgen für einen historischen Tiefstand der Donau. In Budapest kommt dadurch jetzt etwas zum Vorschein, das jahrzehntelang unter Wasser verborgen war: Teile der ehemaligen Franz-Josephs-Brücke.
Die eiserne Brücke wurde 1896 eröffnet – sogar Kaiser Franz Joseph I. setzte damals persönlich den letzten symbolischen Niet. Im Jänner 1945 sprengten zurückziehende deutsche Truppen die Brücke selbst in die Luft, um den Vormarsch der Roten Armee zu bremsen. Der mittlere Teil stürzte in die Donau und blieb dort bis heute liegen.
Durch den rekordverdächtig niedrigen Pegel ragen nun massive Stahlteile der alten Konstruktion aus dem Flussbett. Im Internet sprechen viele bereits von einer "Geisterbrücke". Zahlreiche Schaulustige strömen an das Donauufer, um das seltene Naturschauspiel und die historischen Überreste mit eigenen Augen zu sehen.
Die heutige Freiheitsbrücke wurde nach dem Krieg als erste der zerstörten Budapester Donaubrücken wieder aufgebaut und 1946 eröffnet. Die Trümmer der ursprünglichen Franz-Josephs-Brücke blieben jedoch auf dem Grund der Donau liegen – bis sie jetzt durch die extreme Dürre wieder ans Tageslicht kommen.
Nicht nur Brückenteile werden derzeit sichtbar. Entlang der Donau tauchen auch Schiffswracks, Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg und andere historische Relikte auf. Die außergewöhnliche Trockenheit beeinträchtigt zudem die Schifffahrt und sorgt in mehreren Ländern für Probleme bei Industrie und Energieversorgung.