Ausgerechnet nach einer misslungenen Generalprobe gelang Niko Kovac gegen Bayern München ein taktischer Coup. Der Dortmund-Trainer überraschte den deutschen Rekordmeister beim 2:2 in der Allianz Arena mit einer Viererkette – und erntete dafür von seinen Führungsspielern großes Lob.
"Niko hat einen geilen Schachzug gehabt mit der Viererkette", jubelte BVB-Torhüter Gregor Kobel nach dem Schlusspfiff. Der Schweizer bezeichnete die Entscheidung seines Trainers als "sehr mutig".
Dabei hatte Dortmund seit mehr als eineinhalb Jahren nicht mehr mit einer Viererkette in der Bundesliga begonnen. Zuletzt war das am 15. März 2025 bei der 0:2-Niederlage gegen RB Leipzig der Fall gewesen. Seither setzte Kovac auf eine Abwehr mit drei Innenverteidigern.
Besonders kurios: Noch am Tag vor dem Bayern-Kracher hatte die neue Formation im Training alles andere als überzeugt. "Der Trainer hat mit mir und Waldi gesprochen, wie wir es finden würden", verriet Abwehrchef Nico Schlotterbeck. Gemeinsam mit Waldemar Anton war er in die Entscheidung eingebunden worden.
"Die Mannschaft hat sich gestern damit committed. Das Abschlusstraining war nicht das Beste, da können Sie mal den Trainer fragen, aber die Mannschaft hat sich committed, und das ist das Wichtigste." Kovac bestätigte anschließend, dass die Vorbereitung auf die neue Formation nicht nach Wunsch verlaufen war.
"Wir haben gestern die Viererkette durchexerziert und mal gewisse Sachen durchgespielt, weil die sich ja immer wiederholen hier in München. Ich war nicht so ganz zufrieden, aber meistens ist es ja so: Wenn das letzte Training nicht so funktioniert, dann ist meistens das Spiel besser. Und das war heute der Fall. Man sieht, dass die Jungs in der Nationalmannschaft in der Viererkette spielen."
Auf dem Platz bildeten Schlotterbeck und Anton das Innenverteidiger-Duo. Rechts verteidigte Joane Gadou gegen Bayern-Star Alphonso Davies, auf der linken Seite begann Daniel Svensson.
Besonders Gadou überzeugte seinen Abwehrchef. Der Youngster habe seine Aufgabe gegen Davies "unfassbar gut" gelöst, lobte Schlotterbeck.
Auch im Spiel nach vorne brachte die Umstellung Vorteile. "Vor allem im Spiel mit dem Ball, wir hatten dadurch vorne einen Mann mehr", erklärte der deutsche Nationalspieler.
Selbst Bayern-Kapitän Joshua Kimmich zeigte sich von der ungewöhnlichen Dortmunder Formation überrascht. Auf die Frage, ob ihn die Viererkette oder Harry Kanes verschossener Elfmeter mehr erstaunt habe, antwortete er allerdings: "Eher, dass der Harry den verschossen hat."
Nach dem erkämpften Punkt beim Titelrivalen war die Zufriedenheit im Dortmunder Lager groß. Schlotterbeck hob neben der taktischen Entscheidung auch die Einstellung seiner Mannschaft hervor.
"Die Taktik, die Intensität, der nötige Respekt, aber keine Ehrfurcht - das hat alles in allem heute gut funktioniert, und deswegen haben sich heute auch alle ein Lob verdient: der Trainer und die Mannschaft."