Wie schnell es im Fußball gehen kann, kann aktuell wohl kaum ein Spieler besser schildern als Wilhelm Vorsager. Der Innenverteidiger spielte am vergangenen Freitag noch für die Young Violets in der 2. Liga, wurde am Samstag nach dem Rauswurf von Coach Stephan Helm von Interimstrainer Maximilian Uhlig zu den Profis befördert und machte am Dienstag im ÖFB-Cup gegen Hartberg sein erstes Pflichtspiel für die kriselnden Veilchen.
Besonders beachtlich: In den Anfängen seiner Karriere bei der Admira versuchte sich Vorsager als Model und hoffte, auf dem Laufsteg den großen Durchbruch zu schaffen. Unter dem Alias Sascha Wolf bekam er Aufträge von Armani, Exchange und Givenchy.
Seinen größten Auftritt hatte er in Mailand, wo er sich für Versace auf dem Laufsteg beweisen durfte. Vertreten wurde der Fußballer damals noch von der Agentur "Wiener Models".
Dass er sich nicht ausschließlich auf den Fußball fokussierte, verriet er damals in einem Interview. "Mal sehen, wie lange es mit der Modelkarriere klappt, aber ich möchte auf jeden Fall nebenbei noch etwas studieren, um die Zukunft abzusichern", meinte er gegenüber der "Presse" im Jänner 2018 – und das, obwohl er im Juli zuvor zu den Profis der Admira hochgezogen wurde.
Für seinen Heimatklub lief er später 88 Mal in der Bundesliga auf, hinzu kommen insgesamt 87 Einsätze in der 2. Liga. 2024 wagte der Verteidiger den Sprung ins Ausland, lief in Norwegen ein Jahr für den Zweitligisten IK Start auf, ehe es in zurück nach Österreich zog, wo er zunächst für Striphing und nun für die Austria aufläuft.
Wie viel Vertrauen Uhlig in den Kapitän der Young Violets hat, zeigten die letzten Tage. Praktisch als erste Amtshandlung zog der Interimstrainer den 29-Jährigen zu den Profis hoch und verhalf ihm zu seinem Debüt für die Veilchen-Kampfmannschaft. "Am Samstag, nachdem es fix war mit Max Uhlig, hat er mich angerufen. Dann ist es schnell gegangen. Es war klar, dass ich das mache", schilderte Vorsager von wilden Tagen.
Bei der bitteren Elfmeter-Niederlage (3:5) spulte der 29-Jährige 114 Minuten ab, ehe ihm die Kräfte ausgingen und er durch Talent Phillip Maybach ersetzt wurde. Die Krisen-Austria konnte er zwar nicht auf Kurs bringen, doch ein engagierter sowie großteils fehlerloser Auftritt reichte aus, um von einem Tag auf den anderen in der wackligen Defensive der Veilchen in den Fokus zu rücken – und das ausgerechnet vor dem anstehenden Derby gegen Rapid.
Der rasante Aufstieg hatte den Kapitän der Young Violets selbst überrascht. "Ich hätte auch nicht damit gerechnet, in der Startelf zu stehen, bin aber umso glücklicher und habe es einigermaßen zurückgezahlt", schilderte Vorsager nach der Partie.
Doch vor nicht einmal einem Jahr schaute Vorsagers Welt noch ganz anders aus. Nachdem Stripfing im November vergangenen Jahres in die Insolvenz geschlittert war, stand der Verteidiger ohne Verein da. Die Austria nahm ihn im Jänner darauf als Stütze für seine jungen Talente unter Vertrag. Seitdem machte Vorsager 18 Spiele für die Zweitvertretung der Veilchen und führte die Mannschaft seit der Saison als Kapitän aufs Feld.