Eigentlich hätte es ein Freudentag sein sollen. Doch statt Jubel herrscht jetzt dicke Luft. Bulgarien hat entschieden, wer das Land beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien vertreten soll: Popstar DARA gewann am Wochenende den nationalen Vorentscheid "Natsionalna Selektsiya 2026". Doch kaum war der Sieg fix, folgte der Schock.
Denn nun überlegt die Sängerin ernsthaft, gar nicht erst nach Wien zu fahren.
Am Samstagabend setzte sich DARA in der zweiten Runde des Vorentscheids gegen 14 weitere bekannte Acts aus Charts, Radio und Streaming durch. Bewertet wurde von einer fünfköpfigen Jury und dem Publikum. Am Ende holte DARA 30 Punkte und landete klar vor Mihaela Marinova und Mona. Wichtiges Detail: Der Sieg erfolgte noch nicht mit dem finalen ESC-Song, sondern mit einem eigenen Titel. Doch statt Applaus folgte ein Shitstorm.
Wie die bulgarische Nachrichtenseite dnes.bg berichtet, wird DARA nach ihrem Sieg massiv angefeindet. In sozialen Medien – und sogar aus Teilen der Musikbranche – wurden Vorwürfe eines manipulierten Wettbewerbs laut. International blieb das Drama weitgehend unbemerkt, in Bulgarien hingegen kochten die Emotionen hoch.
DARA selbst zeigt sich getroffen: "Mein Wunsch wurde durch die negativen Kommentare zunichte gemacht. Ich werde noch heute entscheiden, ob ich teilnehme. Am meisten stört mich das Misstrauen gegenüber meinem Talent. Das ist wirklich das Schlimmste."
Besonders pikant: Der Unmut richtet sich auch gegen den Sender BNT. Anders als im Halbfinale wurde das Publikumsvoting im Finale nicht live angezeigt. Transparenz und Fairness? Aus Sicht vieler Fans Fehlanzeige. Die Folge: Misstrauen und DARA steht plötzlich mitten im Kreuzfeuer.
Auf "Actualno.com" klingt die Sängerin etwas gefasster: "Am wichtigsten ist jetzt, konzentriert zu bleiben und die Balance zu bewahren. Es wird viele Kommentare geben, aber sie sollten den bevorstehenden Prozess nicht stören." Lesen würde sie die Kommentare bewusst nicht. Ein Selbstschutz, der bitter nötig scheint.
Dabei gäbe es eigentlich Grund zur Vorfreude: DARA verriet bereits erste Details zum geplanten ESC-Song. "Jetzt kommt der spaßige Teil. Die Arbeit im Studio. Der Eurovision-Song wird sowohl auf Bulgarisch als auch auf Englisch geschrieben sein."
Am 28. Februar steht noch die dritte und letzte Show der "Natsionalna Selektsiya 2026" an. Dann sollen Jury und Publikum aus drei Songs jenen auswählen, mit dem Bulgarien nach Jahren Pause sein ESC-Comeback in Wien feiern will.
Ob DARA dann wirklich noch auf der Bühne steht? Der Traum vom Song Contest wackelt – und Wien schaut gespannt nach Bulgarien.