Düster waren die Performances von Raiven (Slowenien) und Bambie Thug (Irland) beim ESC 2024. Ähnlich finster scheint inzwischen die Zukunft ihrer Länder im Wettbewerb: Slowenien und Irland stehen 2026 in Wien vor einem ESC-Ausstieg. Und das wäre ein echter Knall für den Song Contest!
Die von der EBU verkündeten Regelverschärfungen reichen den beiden Rundfunkanstalten offenbar nicht aus, um eine Teilnahme trotz Israels Anwesenheit zu akzeptieren.
Die Hoffnung war groß, dass die neuen Vorgaben, darunter strenge Einschränkungen bei politisch motivierter Online-Werbung, veränderte Voting-Regeln und eine gestärkte Jury-Struktur, jene Länder beruhigen würden, die nach dem umstrittenen, für Israel extrem erfolgreichen Finale in Basel lautstark Reformen forderten. Doch genau das Gegenteil passiert.
In Slowenien ist die Stimmung eindeutig: Das Land wird in Wien höchstwahrscheinlich fehlen. Slowenische Medien berichten, dass nur ein Ausschluss Israels die Teilnahme sichern könnte.
RTVSLO-Vorständin Natalija Gorščak zeigte sich völlig unbeeindruckt von den EBU-Reformen: "Es wäre vernünftiger, wenn die EBU Israel dieses Jahr ausschließen würde."
So könne man die politische Spannung aus dem Wettbewerb nehmen. Brisant: Ein Entwurf des RTVSLO-Programmplans für 2026 soll sogar keine Übertragung des ESC aus Wien mehr vorsehen – während die Olympischen Winterspiele, an denen ebenfalls israelische Athleten teilnehmen sollen, sehr wohl im Programm stehen. Ein Widerspruch, der in Slowenien bereits heftig diskutiert wird.
Auch in Irland sieht es düster aus. Der Sender RTÉ stellte bereits im September klar, dass die einzige Bedingung für eine Teilnahme ein Israel-Bann sei. Auf Nachfrage zu den neuen Regeln heißt es aus Dublin lediglich: "Die Ereignisse im Nahen Osten entwickeln sich von Tag zu Tag."
RTÉ will die finale Entscheidung der EBU abwarten, doch Zuversicht klingt anders.
Mehrere TV-Sender zeigen sich inzwischen zufriedener mit den Reformen: Die belgischen Anstalten VRT und RTBF sowie der niederländische Sender AVROTROS begrüßen die Änderungen und wollen die EBU-Generalversammlung abwarten. Besonders überraschend: AVROTROS hatte noch im September klargestellt, nur bei einem Israel-Ausschluss anzutreten – nun scheint es wieder Hoffnung für Wien zu geben.
Extrem spannend wird es am Donnerstag in Madrid: Dort muss RTVE-Boss José Pablo López vor dem Aufsichtsgremium des spanischen Parlaments Rede und Antwort stehen – auch zur Frage, ob Spanien 2026 in Wien teilnimmt. Erst danach wird klar sein, ob sich der Big-Five-Sender zurückzieht oder nicht.
Am 4. und 5. Dezember findet die Generalversammlung der EBU statt. Laut schwedischem Fernsehen SVT wird nur dann über Israels Teilnahme abgestimmt, wenn die Mitgliedssender die neuen Regeln als "unzureichend" einstufen. Ansonsten bleibt es ohne Abstimmung bei der bisherigen Entscheidung.
Während Europa diskutiert, läuft in Israel bereits die Auswahlshow "The Next Star 2026" – trotz aller Umstände ungebremst weiter.