Letzte Woche tobte Taifun Kalmaegi über Vietnam. Fünf Menschen starben dabei, elf Boote sanken und 57 Häuser wurden zerstört. Für drei Vietnamesen wurde der Sturm zum Horror-Erlebnis mit unerwartetem Happy End – es ist unglaublich, wozu diese Männer fähig waren.
Cuong (44) wurde im Wasser vom Sturm weggeschwemmt. Sanh (37) und Quang (47) wollten ihn retten, doch ihr Ruderboot kenterte in den hohen Wellen und wurde zerstört. Die drei verbrachten mehr als 40 Stunden auf hoher See – und konnten alle lebendig geborgen werden, wie lokale Medien berichten.
Die drei Männer schafften es über Nacht von Donnerstag bis Freitag zusammenzubleiben, indem sie sich an den Händen hielten. Die zwei, die Cuong retten wollten, trugen Rettungswesten. Am frühen Samstagmorgen wurden sie aber so schwach, dass sie sich nicht mehr festhalten konnten. Sie drifteten auseinander.
Derweil hatten regionale Behörden eine Suche nach den Vermissten eingeleitet. Mehrere Schiffe und Helikopter machten sich daran, doch da der Sturm bis Freitag anhielt, gestaltete sich die Situation schwierig. Die Suche blieb vorerst erfolglos.
Ein Frachtschiff namens Hai Nam 39 fand Quang am Samstagmorgen 10 km von der Insel Ly Son entfernt, wo seine Reise begonnen hatte. Er war noch bei Bewusstsein, doch äußerst schwach. Seine Weste hielt ihn über Wasser. Der Kapitän der Hai Nam 39 erzählte gegenüber lokalen Medien: "Es war nicht einfach, näherzukommen, da die Wellen hoch waren." Erst nach mehreren Versuchen gelang es ihnen, den Mann auf das Schiff zu ziehen.
Während der Rettungsversuche informierte das Schiff die Küstenwache. Diese schickte ein Rettungsteam los in der Hoffnung, die anderen beiden Vermissten in der Nähe zu finden.
"Wir wussten, dass Sanh eine rote Schwimmweste trug", erklärt Phan Hau, der Kapitän des Bootes der Küstenwache. "Also hielten wir Ausschau nach roter Farbe in der Welle." Sie fanden aber einen Mann im schwarzen T-Shirt vor. Erst als sie ihn an Bord zogen, erkannten sie, dass es sich um Sanh handelte. Später erklärte er, er wollte ein anderes Schiff auf sich aufmerksam machen und hat die Weste ausgezogen, um damit zu winken. Ein Windstoß hatte sie ihm aber aus der Hand gezerrt. Er wurde ebenfalls etwa 10 km von der Insel entfernt geborgen.
Letztlich wurde auch Cuong gefunden und konnte lebendig gerettet werden. "Wir waren völlig fassungslos – es fühlte sich wie ein Wunder an", sagte Hau gegenüber der AFP. Die Männer sind nun im Spital.
Über ihren Zustand ist wenig bekannt. Sanh sei stark desorientiert gewesen. Laut Berichten fragte er seine Retter, warum sie nach ihm gesucht hätten, obwohl er "nur schwimmen gegangen" sei, so Hau. "Quangs Gesundheitszustand stabilisiert sich allmählich ... alle Menschen in Vietnam sind überglücklich", sagt Quangs Frau Lau.