Im Südburgenland wird jetzt aktiv um neue Bewohner geworben. Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, verlosen die Bezirke Jennersdorf, Güssing und Oberwart gemeinsam mit dem Leader-Verein "südburgenland plus" ein dreitägiges Schnupperwohnen für interessierte Familien.
Konkret können Gewinner einen kostenlosen Aufenthalt in den Gemeinden Rudersdorf, Großpetersdorf oder Burgauberg-Neudauberg verbringen. Dort sollen sie den Alltag kennenlernen, mit Einheimischen ins Gespräch kommen und herausfinden, wie sich das Leben am Land wirklich anfühlt.
Hintergrund der Aktion ist die teils massive Abwanderung in einzelnen Gemeinden. Laut Bericht der "Kleinen Zeitung" ging die Bevölkerung zwischen 2005 und 2025 mancherorts um bis zu 21 Prozent zurück - etwa in Heiligenbrunn.
Die Folgen sind deutlich spürbar: leerstehende Häuser, weniger Einnahmen für die Gemeinden und ein wachsender Fachkräftemangel. Gleichzeitig gibt es günstigen Baugrund, viel Natur, Ruhe und kostenlose Kinderbetreuung - Argumente, mit denen man nun gezielt wirbt.
"Wir werden im Südburgenland leider noch immer etwas belächelt. Viele denken: eine abgelegene Region, fernab von allen Städten", sagt Geschäftsführer Oliver Stangl. Genau dieses Bild wolle man korrigieren.
Das Schnupperwohnen sei Teil eines größeren Projekts namens Wohnstandortmarketing. Ziel ist es, nicht nur kurzfristige Gäste zu gewinnen, sondern langfristig neue Bewohner für die Region zu begeistern - auch gebürtige Südburgenländer in Wien oder Graz.
Ein wichtiger Teil des Programms ist deshalb auch das Kennenlernen von Betrieben und Vereinen. Denn laut Bericht hält sich hartnäckig das Vorurteil, es gebe im Südburgenland kaum Arbeitsplätze.
"Lebensmitteltechnologie, Chemie, Industrie, Textilbereich, Gesundheit - überall suchen wir hochqualifizierte Arbeitskräfte", betont Stangl. Auch für Kreative wie Architekten, Grafiker oder Autoren gebe es viel Raum zur Entfaltung.
Nicht überall sind die Zahlen negativ: Der Bezirk Oberwart verzeichnet insgesamt sogar ein Bevölkerungsplus. Auch wirtschaftlich habe sich in den vergangenen Jahren einiges entwickelt. "Nur fehlt uns der Stolz auf unsere Region", so Stangl. Vielleicht reichen ja drei Tage im Südburgenland, um genau diesen Stolz neu zu entdecken - und womöglich zu bleiben.