Sicherheitsgipfel fällt aus

Drogen-Hotspot – "Viele Frauen haben Angst"

Rund ums Drogenzentrum Jedmayer in Wien-Mariahilf wächst die Unsicherheit. Frauen berichten von Angst, der Sicherheitsgipfel wurde abgesagt.
Wien Heute
23.10.2025, 19:42
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Mitten in Wien-Mariahilf, nahe der U6-Station Gumpendorfer Straße, befindet sich eines der größten Drogenzentren Europas – das Jedmayer.

Drogenhölle um U6-Station - das sagen die Anwohner

Während andere EU-Länder wie Frankreich, Deutschland oder die Niederlande viele kleinere Einrichtungen betreiben, konzentriert sich Wien auf ein einziges, großes Zentrum mitten in einem der kleinsten und am dichtesten besiedelten Bezirke der Stadt. Was als Hilfsangebot für suchtkranke Menschen gedacht war, sorgt im Wohngebiet zunehmend für Spannungen und Ängste.

Laut ÖVP sei das soziale Gleichgewicht im Grätzl längst gekippt. Anrainer berichten von offenem Konsum, Drogenrückständen und Spritzen in Parks und Stiegenhäusern. Ein Bewohner erzählte "Heute", er meide die Hundezone, "weil ich Angst habe, dass mein Hund auf eine Spritze tritt."

Frauen fühlen sich unsicher

Rund um den Fritz-Imhoff-Park berichten vor allem Frauen, dass sie sich im Grätzl nicht mehr sicher fühlen. Eine Anrainerin schilderte, sie habe "eine Person nach einer Überdosis leblos auf einer Parkbank gesehen." Nach Angaben der ÖVP fühlen sich immer mehr Frauen im Umfeld des Drogenzentrums unwohl. Martina Hammerer, Vorsitzende der ÖVP-Frauen Wien-Mariahilf, warnt: "Viele Frauen haben hier einfach Angst."

Die ÖVP fordert ein Alkoholverbot rund ums Jedmayer sowie eine Dezentralisierung der Drogenhilfe, um das Viertel zu entlasten. "Wir wollen uns hier wieder sicher fühlen können", sagt Hammerer weiter. Ein Alkoholverbot könne laut ihr ohne großen Aufwand umgesetzt werden – es sei per Erlass des Bürgermeisters möglich, ohne Budgetdebatten oder Verzögerungen.

Vergleich mit anderen Wiener Hotspots

Die ÖVP verweist auf positive Erfahrungen mit Alkoholverboten an anderen Standorten: Am Praterstern gilt ein solches Verbot seit 2018, am Franz-Jonas-Platz seit Februar 2024. Laut einer Evaluierung der Stadt Wien gaben 80 Prozent von 2.600 Befragten an, sich dort sicherer zu fühlen – drei von vier Frauen bestätigten das besonders deutlich. Auch Polizei und Wiener Linien meldeten einen Rückgang bei Einsätzen und Delikten.

Stadt Wien verweist auf laufende Maßnahmen

Der von Drogenkoordinator Ewald Lochner (SPÖ) angekündigte Sicherheitsgipfel für Wien-Mariahilf findet nicht statt. Der Sicherheitssprecher der SPÖ Wien, Markus Schober, erklärt dazu: "Ein Gipfel löst keine Probleme. Es gibt täglich abgestimmte Maßnahmen zwischen Stadt, Polizei und Sozialarbeit – genau das passiert hier." Laut Stadtverwaltung wird die Lage rund ums Jedmayer laufend beobachtet, die Zusammenarbeit mit der Polizei und Sozialarbeit fortgesetzt. Hammerer fordert jedoch, dass die Stadt endlich handelt: "Wir erwarten keine Ausreden mehr, sondern entschlossenes Handeln – die Lage ist unhaltbar geworden."

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 24.10.2025, 10:30, 23.10.2025, 19:42
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