Großer Ring gesprengt

Drogen um 6 Mio. € in Kerzen und Spielbällen versteckt

Ein internationaler Drogenring schmuggelte jahrelang Suchtgift, getarnt in Kerzen und Bällen. Jetzt klickten europaweit die Handschellen.
21.04.2026, 12:04
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"Der illegale Handel mit Drogen stellt nicht nur eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung dar, sondern ist auch eng mit organisierter Kriminalität verbunden", betonte Landespolizeidirektor Franz Popp im Rahmen der heutigen Pressekonferenz. "Ich gratuliere den Beamtinnen und Beamten, die durch entschlossene Ermittlungsarbeit diesen beachtlichen Erfolg erzielt und eine große Menge Suchtgift aus dem Verkehr gezogen haben."

Bedienstete des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Ermittlungsbereich Suchtmittelkriminalität, führten gemeinsam mit Beamten des Bundeskriminalamtes seit Jänner 2023 umfangreiche Erhebungen ("Operation Candle Trip") gegen eine international agierende Tätergruppe wegen Suchtmittelschmuggels. Dreist: Die Drogen wurden in Kerzen, Tiernahrungsprodukte, Kosmetikartikel und Spielsachen (Spielbällen) versteckt.

Die Tätergruppe schmuggelte über verschiedene Paketdienstleister im Zeitraum vom 2. Dezember 2022 bis zuletzt am 22. September 2025 mit insgesamt 41 Paketsendungen große Mengen verschiedenster Suchtmittel und NPSG-Substanzen, die in Österreich aufgegeben und an Empfänger weltweit versandt wurden. Die Suchtmittel wurden zuvor größtenteils von den Niederlanden auf dem Landweg in das österreichische Bundesgebiet geschmuggelt.

Im Zuge der umfangreichen Erhebungen konnten in Österreich insgesamt 65.054 Gramm Ketamin, 6.000 Gramm Kokain, 13.975 Gramm MDMA und 712 Gramm 2-CB sichergestellt werden.

Internationale polizeiliche Zusammenarbeit

Außerdem konnten im Laufe der internationalen polizeilichen Zusammenarbeit weltweit 95.300 Gramm Ketamin, 9.235 Gramm Kokain, 16.366 Gramm MDMA und 1.500 Gramm 2-CB sichergestellt werden.

Die sichergestellten Suchtmittel belaufen sich auf einen durchschnittlichen Straßenverkaufswert in Höhe von rund sechs Millionen Euro. Aufgrund des hohen Reinheitsgehaltes der sichergestellten Suchtmittel ist davon auszugehen, dass diese vor dem Weiterverkauf gestreckt worden wären und sich dadurch der Erlös um ein Vielfaches erhöht hätte.

Die angeführten Suchtmittel und NPSG-Substanzen wurden von der Tätergruppe in Kerzen und anderen Gegenständen des täglichen Bedarfs professionell versteckt eingebaut.

Zahlreiche Paketsendungen

Weiters konnte der angeführten Tätergruppe noch zahlreiche weitere Paketsendungen von insgesamt mehreren hundert Kilogramm Suchtmittel nachgewiesen werden, welche aus Österreich an Empfänger weltweit versandt wurden und nicht sichergestellt werden konnten.

Top-Ermittler: Briadier Stefan Pfandler, Landespolizeidirektor Franz Popp, Oberstleutnant Felix Gasterstädt des Bundeskriminalamtes
LPD NÖ/LKA

Im Zuge der umfangreichen, internationalen Erhebungen konnten von den ausländischen Polizeibehörden eine 27-jährige britische Staatsangehörige in Großbritannien, ein 24-jähriger niederländischer Staatsbürger in den Niederlanden und ein 32-jähriger venezolanischer Staatsbürger in den USA festgenommen werden. Diese Beschuldigten wurden zum Teil bereits in den jeweiligen Ländern zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Banden-Chef aus den Niederlanden

Durch die Ermittler der Polizei in Österreich wurden ein 27-jähriger und ein 38-jähriger Österreicher sowie ein 26-jähriger, ein 35-jähriger und ein 38-jähriger niederländischer Staatsbürger festgenommen und über Auftrag der Staatsanwaltschaft Wien in die Justizanstalt Wien-Josefstadt eingeliefert.

Der 27-jährige österreichische Staatsbürger fungierte als Aufgeber der Sendungen. Der 38-jährige niederländische Staatsbürger war in Österreich als Auftraggeber für die Versendung von Paketen verantwortlich.

Der 26-jährige niederländische Staatsbürger schmuggelte große Mengen Suchtmittel und NPSG-Substanzen von den Niederlanden nach Österreich und versendete die Substanzen vorwiegend aus Wien mit Paketen weltweit. Außerdem übergab er mehrmals größere Mengen Kokain und XTC-Tabletten (MDMA), jeweils im mehrfachen Kilobereich, an den 38-jährigen österreichischen Suchtmittelabnehmer in Wien.

Verfahren in mehreren Ländern

Der 35-jährige niederländische Staatsbürger organisierte den internationalen Suchtmittelschmuggel und brachte zum Teil auch Suchtmittelsendungen in Österreich zur Aufgabe.

Gegen einen Teil der Beschuldigten sind außerdem in der Schweiz, Belgien, Tschechien, Luxemburg und Dänemark Verfahren wegen Suchtmittelschmuggels mit ähnlicher Vorgehensweise anhängig.

"Dieser mehr als drei Jahre andauernde Ermittlungskomplex zeigt: Erfolgreiche Bekämpfung organisierter Suchtmittelkriminalität braucht Beharrlichkeit, Koordination und starke Partnerschaften im In- und Ausland. Moderne Kriminalität ist international – die moderne Polizei ist es ebenso", so der stellvertretende Leiter des Büros Suchtmittelkriminalität im Bundeskriminalamt, Oberstleutnant Felix Gasterstädt.

Kopf der Bande diese Woche vor Gericht

Auch der Leiter des Landeskriminalamtes, Brigadier Stefan Pfandler, sprach Dank und Anerkennung aus: "Ich danke den Ermittlern des Landeskriminalamtes und des Bundeskriminalamtes sowie den internationalen Partnern, ohne die diese erfolgreiche Amtshandlung nicht möglich gewesen wäre."

Der 27-jährige Österreicher und der 38-jährige niederländische Staatsbürger haben ihre Haftstrafen bereits verbüßt, sagte Pfandler. Auf die drei weiteren 2025 festgenommenen Beschuldigten – unter ihnen auch der 35-jährige Niederländer als Capo der Gruppierung – wartet Pfandler zufolge am Donnerstag der Prozess wegen Suchtgifthandels am Landesgericht Wien.

{title && {title} } wes,wil, {title && {title} } 21.04.2026, 12:04
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